Mit Mistgabel und Federboa – Farmer John

Lang lebe der ökologische Landbau!

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Und so wird schnell klar, dass es ein Mann vom Schlage John Petersons nicht gerade leicht hat in seinem Umfeld. Im Ort munkelt man von dunklen Riten und abartigen Sexualpraktiken auf der Farm und Drogen aus garantiert biologischem Anbau, und wenn gar nichts mehr hilft, dann ist John für seine lieben Nachbarn eben einfach ein „Homo“ – allen Freundinnen zum Trotz. Die wahre Geschichte des Farmers John hingegen ist viel schlichter und einfacher. Und sie konnte nur deshalb entstehen, weil der Regisseur Taggart Siegel den Farmer John bereits seit vielen Jahren kennt und weil Johns mittlerweile verstorbene Mutter Anna die Geschicke der Farm seit den fünfziger Jahre auf Film festhielt und so Einblicke in die Wechselfälle des Lebens als Landwirt vermitteln konnte. Es ist die Geschichte von Aufstieg und Niedergang, Enthusiasmus, Idealismus und Enttäuschung, von Solidarität und Misstrauen, vom Leben in Einklang mit der Natur und von exzentrischen Neigungen, die Siegel hier mit eindrucksvollen, aber niemals aufdringlichen Bildern und Interviews festhält. Da spricht Farmer John über seine Hippie-Seele, testet den Boden mittels einer Geschmacksprobe und lässt sich dabei filmen, wie er im schrillen Fummel auf seinem Traktor über die Felder fährt. Filmaufnahmen aus den Fünfzigern und Sechzigern zeigen den bäuerlichen Alltag und scheinen beinahe aus einer anderen Welt zu stammen, da bekennen die Nachbarn freimütig, dass ihnen der schräge Vogel von nebenan nicht ganz geheuer ist und führen brav zur Illustration alle Gerüchte auf, die sich um Farmer John ranken. In einigen Momenten kommt man nicht umhin zu bemerken, wie nah sich der Regisseur und sein Freund sind, denn mitunter wirkt das Ganze beinahe wie ein überdimensionaler Werbespot für \"Angelic Organics\", zum Glück aber kriegt Taggart Siegel immer wieder die Kurve und versteht es, seinen Film ebenso amüsant wie persönlich zu halten.

Schön früh verschrieb sich John Peterson – beeinflusst durch seine Hippie-Freunde vom Beloit-College – dem ökologischen Landbau und scheiterte im ersten Anlauf damit. Doch er gab nicht auf und wagte noch einmal den Neuanfang, und mit dem erwachenden Gesundheitsbewusstsein der Neunziger kam schließlich der wachsende, aber immer noch bescheidene Erfolg. Heute scheinen die immerwährenden Krisen endgültig der Vergangenheit anzugehören, Angelic Organics gehört zu den größten Direkterzeuger-Höfen der USA und ist Mitglied im Verbund \"Community Supported Agriculture\" (CSA). Doch selbst der Erfolg von Farmer John kann es nicht verhindern, dass der schrille Bauer auch weiterhin von seinen Nachbarn misstrauisch beäugt wird. Er ist und bleibt eben eine Reizfigur, ein sympathischer und harmloser Freak mit einer bewegenden Geschichte…
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/mit-mistgabel-und-federboa-farmer-john