Die Liebe in den Zeiten der Cholera

51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Es ist der Zauber eines ganz bestimmten Tages im Jahre 1879, an dem sich der arme Telegrammbote Florentino (Unax Ugalde, in späteren Lebensabschnitten übernimmt Javier Bardem die Rolle) in die wunderschöne Fermina (Giovanna Mezzogiorno), eine junge Frau aus gutem, vermögenden Hause verliebt. Florentions Liebe wird erwidert, doch man ahnt es bereits, dass Ferminas Vater (John Leguizamo) strikt gegen die Mesalliance ist. So bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig, als den Heiratsantrag ihres Geliebten, den sie bereits angenommen hatte, wieder zurückzuweisen. Stattdessen ehelicht sie Dr. Juvenal Urbino (Benjamin Bratt), einen Arzt von Ansehen und Vermögen – sehr zur Begeisterung ihres Vaters und zum Missfallen Florentinos. Dieser tröstet sich mit anderen Frauen und macht Karriere, bis er schließlich zum Direktor der Karibischen Schifffahrtsgesellschaft aufsteigt. Doch selbst seine 622 Eroberungen können nichts an seiner Liebe zu Fermina ändern. Erst als Dr. Urbino bei einem Unfall stirbt, wagt er es, erneut bei Fermina vorzusprechen und ihr seine Liebe zu gestehen, inzwischen sind 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage vergangen…

Mangelnde Detailtreue und Genauigkeit im Umgang mit der literarischen Vorlage kann man Mike Newell nun wirklich nicht vorwerfen, wenngleich man sich an einer Stelle schon fragen muss, was ein Popsong von Shakira in einer Literaturverfilmung dieses Anspruchs zu suchen hat. Trotzdem: Sowohl das Drehbuch von Ronald Harwood wie auch die Kostüme, die Ausstattung und die Locations stellen sich in den Dienst der Vorlage. Auch die Schauspielerriege gibt sich redlich Mühe, doch immer wieder erweist sich der Rahmen, den Marquez in seiner Vorlage entfaltet hat, als zu groß, zu gewaltig: Wirklich zu überzeugen weiß nur Javier Bardem, während Giovanna Mezzogiorno nur selten an das Charisma der Romanfigur Fermina heranreicht. So gelungen manche Teilaspekte des Films auch sein mögen, als Ganzes verliert sich der Fluss der Erzählung, den Marquez wie kaum ein zweiter beherrscht, im Nirgendwo und beweist einmal mehr, dass werkgetreue und unterhaltsame Literaturverfilmungen zu den schwierigsten Herausforderungen eines Filmemachers zählen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-liebe-in-den-zeiten-der-cholera