Transsiberian

Berlinale 2008: Panorama

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Für Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer) erfüllt sich mit der Zugreise nach Sibirien ein Traum. Sie waren noch nie soweit von ihrer amerikanischen Heimat entfernt, ihre Pässe sind nigelnagelneu, ihre Euphorie entsprechend groß. Die Faszination des fernen Landes hält Jessie, die Hobbyfotografin, in Bildern fest. Alles scheint perfekt bis Abby (Kate Mara) und Carlos (Eduardo Noriega) selbiges Abteil beziehen. Ein junges, wildes Backpacker-Pärchen, das nicht davor zurückschreckt, vor den Augen anderer intime Zärtlichkeiten auszutauschen. Jessie ist verwirrt, versucht jedoch mit der neuen Situation klarzukommen und sich mit den Fremden anzufreunden. Nichts soll den Urlaub trüben.

Doch alles kommt anders. Als der Zug in Irkutsk hält und sich die beiden Männer getrennt von den Frauen die Beine vertreten, ist Roy plötzlich verschwunden. Jessie sucht den ganzen Zug ab, aber erfolglos, keine Spur von ihrem Ehemann. Sie schöpft zum ersten Mal Verdacht. Steckt Carlos dahinter? Oder das korrupte, schnippische Zugpersonal? Sie steigt an der nächsten Station aus und mit ihr Carlos und Abby. Und natürlich ist Carlos nicht so unschuldig wie er tut, aber Jessie glaubt immer noch, dass er der good guy ist und schenkt ihm ihr Vertrauen.

Es wird hier nicht verraten, was Jessie passiert und ob ihr Ehemann wieder auftaucht. Doch was ganz harmlos anfing, endet in einem tödlichen Strudel aus Verfolgung, Gewalt und Mord. Als schließlich noch der vermeintliche Drogenfahnder Grinko (Ben Kingsley) und seine rechte Hand Myassa (Thomas Kretschmann) ins Spiel kommen, ist das abgründige Verfolgungsszenario perfekt. Spannung ist bis zum Ende garantiert.

Transsiberian ist nach The Machinist / Der Maschinist (2004), der seinerzeit ebenfalls im Panorama-Programm der Berlinale lief, Brad Andersons siebter Spielfilm. Der amerikanische Filmregisseur machte sich zunächst mit Independent-Filmen wie The Darien Gap (1996), Happy Accidents (2000) und Session 9 (2001) einen Namen. Nach der Aufführung von The Darien Gap auf dem Sundance Filmfestival ehrte ihn das Branchenmagazin Variety als einen der "Ten Leading New Independent Directors to Watch". Dass Anderson großartige Filme inszenieren kann, hat er seitdem immer wieder bewiesen.

Mit Transsiberian ist Anderson ein weiteres Meisterwerk gelungen. Mit perfekt eingesetzten Thriller-Elementen lässt er seine Zuschauer genauso an den Verfolgungsjagden teilnehmen wie seine Figuren selbst und zieht einen immer tiefer in ein eiskaltes Verwirrspiel. Und obwohl Xavier Giménez’ großartige Bilder uns in eiskalte, abgelegene Landschaften führen, lässt die fesselnde Handlung unseren Puls immer ein paar Takte schneller schlagen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/transsiberian