Krabat

Freiheit statt schwarzer Magie

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Die Geschichte vom Betteljungen Krabat, der zu einem mächtigen Zauberer aufsteigt, geht auf eine sorbische Volkssage zurück. Der Kinder- und Jugendbuchautor Otfried Preußler hat sie aufgegriffen und mit einem aktuellen Hintergrund unterfüttert: dem Motiv der Verführbarkeit durch Heils- und andere Versprechen. Regisseur Marco Kreuzpaintner hält sich in seiner aufwendigen Verfilmung – das Budget ist mehr als acht Millionen Euro schwer – recht genau an den Geist dieses auch als Schullektüre beliebten Jugendbuches. Herausgekommen ist bei allem Grusel- und Fantasy-Kino, bei all den fantastischen Flug- und gespenstischen Nachtszenen eine Geschichte, die nachdenklich macht.

Krabat (David Kross) ist im Roman wie im Film ein 14-jähriger Waisenjunge am Ende des 30-Jährigen Krieges, der seine Mutter durch die Pest verloren hat. Im Traum locken ihn elf Raben zu einer Mühle, wo er eine Lehre beginnen soll. Als er tatsächlich dort eintrifft, spürt man mit jeder Einstellung, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Aber Krabat will nicht sehen, was er sehen könnte. Er will gut essen und ein Dach über dem Kopf, auch wenn ihm der Müllermeister und die elf Gesellen in der dreimonatigen Probezeit die härtesten Arbeiten aufbrummen.

Der künftige Zauberlehrling ist zäh und willensstark, er will dazugehören und schafft das auch. Als zwölfter Geselle wird er in den Kreis der Bruderschaft aufgenommen, denn der Müllermeister ist in erster Linie ein Meister der schwarzen Magie. Nun verfügt Krabat über ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten. Die schwerste Arbeit wird ihm leicht. Und er lernt, sich in einen Raben zu verwandeln und durch die Lüfte zu fliegen. Aber noch immer ist er ebenso „tüchtig“ im Vergessen und Verdrängen. Als er dann nicht mehr daran vorbeisehen kann, welchen Preis der einäugige Meister (Christian Redl) tatsächlich verlangt, ist es fast zu spät. Zumal sich Krabat nicht nur in die schöne Kantorka (Paula Kalenberg)) verliebt, sondern auch seinen Freund und Beschützer verliert, den Altgesellen Tonda (Daniel Brühl).

Mit seiner Lernbereitschaft und seinem Durchhaltewillen verschafft sich der eher zarte Krabat Respekt unter den teils rauen Gesellen. Trotzdem hat Regisseur Kreuzpaintner die Titelrolle nicht als Superhelden angelegt. Es gibt zwar die ein oder andere Actionszene, in der die Zauberbrüder die schwarz-magische Sau rauslassen dürfen. Aber im Vordergrund steht das Beziehungsgeflecht zwischen Krabat und seinen Mitgesellen, die allesamt unter der Knute des Meisters zu leiden haben. Werden die Unterdrückten und mit dem Tod Bedrohten einander um des eigenen Überlebens willen verraten? Oder halten sie zusammen? Das ist die Frage, die in intensiven Blickwechseln zwischen Krabat, dem zwielichtigen Lyschko (Robert Stadlober) und dem treudoofen Stotterer Juro (Hanno Koffler), verhandelt wird.

Und so ist Krabat auch ein filmischer Bildungsroman: von einem, der auszog, ein Überflieger zu werden. Und der feststellen muss, dass er bei aller Willenskraft auch nur ein Mensch ist, der Fehler macht. Als solcher kann er es nicht alleine schaffen, wohl aber mit der Kraft der Liebe und der Solidarität der Freunde. Was Krabat am Ende vorzieht – die Zauberei oder die Freiheit? Das ist dann nur noch eine rhetorische Frage.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/krabat