Die Wilden Hühner und das Leben

Erwachsen werden ist schwer, aber unvermeidlich

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Die Mädchengang Die Wilden Hühner geht in die dritte und damit wohl auch letzte Runde. Aber keine Sorge, denn potenzielle Nachfolgerinnen sind in der Literaturverfilmung Cornelia Funkes schon in Form der Nachwuchsgang "Die Wilden Küken" angelegt.
Eigentlich könnte Sprotte (Michelle von Treuberg) so richtig glücklich und zufrieden sein, denn ihr Freund Fred (Jeremy Mockridge) ist ein cooler und liebenswürdiger Teenager. Allerdings stellt er sich die Feier zu ihrem zweijährigen Beziehungsjubiläum etwas anders vor als sie, denn Fred möchte endlich mehr als nur rumknutschen. Doch damit stößt er bei Sprotte auf Granit, die noch weit davon entfernt ist, Sex zu haben. Auf der gemeinsamen Klassenfahrt zum idyllischen Schloss Heessen nutzt der liebeshungrige Fred die Gelegenheit und fängt eine Affaire mit Sabrina (Paula Schramm) an, die im Gegensatz zu Sprotte von der schnellen Sorte ist. Auch Melanie (Sonja Gerhardt in Nachfolge von Paula Riemann) hat so ihre Sorgen, denn sie hat sehr wohl schon erste sexuelle Erfahrungen mit ihrem Freund Willi (Vincent Redetzki) gehabt und befürchtet nun den Super-GAU: eine Schwangerschaft. Zu allem Überfluss haben sich die beiden schon seit langem auseinandergelebt und Frieda (Lucie Hollmann) steht bereits in den Startlöchern, denn es lässt sich nicht mehr länger verheimlichen, dass sie ein Auge auf Fred geworfen hat. Trude (Zsá Zsá Inci Bürkle) hingegen hätte an einem Hühner-Nachwuchs seitens Melanie nichts auszusetzen und strickt fleißig Baby-Söckchen. Dem nicht genug, so gibt sich Torte (Martin Kurz) dem Komasaufen hin, weil er mit dem bevorstehenden Umzug seiner Familie nach Dänemark und der damit einhergehenden Trennung von seinen Freunden und Freundinnen nicht zurecht kommt. Tränenreich folgt dementsprechend der Abschied, und auch die Jungs scheuen sich nicht vor großen Gefühlen. Zu guter Letzt werden die Wilden Hühner auch noch von drei nachwachsenden Küken verfolgt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als in die Fußstapfen der Hühner zu treten. Als sie den frechen Gören eine Lektion erteilen wollen, passiert fast ein Unglück...

Ganz schön viel Trouble haben die Teenager im dritten Teil der Wilden Hühner. Zwei Jahre nach Die Wilden Hühner und die Liebe werden die Jungen und Mädchen immer mehr mit erwachsenen Problemen konfrontiert und müssen den unaufhaltsamen Weg des Älterwerdens gehen. Niemand kann die Zeit anhalten, jeder Teenager muss wohl oder übel die unbeschwerten Jahre der Kindheit irgendwann zurücklassen, und der Film zeigt deutlich die Schwierigkeiten, die Teenager damit haben. Wehmütig wollen sie eigentlich gar nicht von ihrem Status quo loslassen, denn damit wächst die Verantwortung, und die Probleme werden insgesamt tiefgreifender und existenzieller. Die nüchterne Erkenntnis der Wilden Hühner ist: "Vielleicht ist es das, was wir lernen müssen, wenn wir erwachsen werden: wir können nichts festhalten." Aber der amüsante Blick auf die erwachsenen Protagonisten des Films zeigt auch, dass sich jeder ein Stück Kindheit bewahren kann, dass aber auch die Probleme und deren Bewältigung jenseits des Teenageralters weiterhin bestehen bleiben. Somit ist die Verfilmung von Vivian Naefe ein Lehrstück für jedes Alter, das sowohl die Sehnsüchte von Kindern und Jugendlichen als auch die der Erwachsenen thematisiert und pädagogisch wertvoll umsetzt, ohne jedoch mit dem belehrenden Zeigefinger zu wackeln.

Der Film hinterlässt zwar ein melancholisches Gefühl, weil er in aller Deutlichkeit zeigt, dass das Leben und vor allem die Liebe nicht immer mit einem Happy-End ausgehen. Aber genau das macht ihn so sehenswert, denn was nutzt es Jugendlichen, wenn ihnen suggeriert wird, dass sich immer alles zum Guten wendet? Trotz dieser Melancholie wartet Die Wilden Hühner und das Leben mit einer gehörigen Portion Humor und Leichtigkeit auf, die den Film zu einer amüsanten und gleichzeitig tiefsinnigen, altersübergreifenden Unterhaltung machen. Einzig bedauerlich ist, dass Wilma (Jette Hering), die in Die Wilden Hühner und die Liebe ihr Coming-out hatte, in dieser Fortsetzung als einzige leer ausgeht, was die Liebe betrifft. Warum nicht auch dieser Figur ein Mädchen an die Seite gestellt wurde, ist unverständlich.

Trotz alledem: Willkommen in der Erwachsenenwelt – so schlimm ist es gar nicht!

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/die-wilden-huehner-und-das-leben