Mitte Ende August

Endlich Sommer

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Hanna (Marie Bäumer) und Thomas (Milan Peschel) kaufen sich ein altes Haus auf dem Land. Es ist Sommer, sie sind glücklich, verliebt, alles ist gut. Als Thomas’ Bruder Friedrich (André Hennicke) und Hannas Patentochter Augustine (Anna Brüggemann) dazukommen, findet die Idylle plötzlich ein Ende. Davon erzählt Sebastian Schippers Film Mitte Ende August, der im Forum der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte.
Frei nach Goethes Wahlverwandtschaften hat der 40-jährige Hannoveraner nach Absolute Giganten und Ein Freund von mir seinen dritten Spielfilm inszeniert. Wer Lust auf kurzweiliges deutsches Kino hat, ist in diesem Film gut aufgehoben.

Hanna und Thomas schlafen noch als der Film seinen Anlauf nimmt. Sie wirken wie frisch verliebt, aber durch ihre gemeinsamen Rituale auch sehr vertraut. Dieser wunderschöne Sommermorgen, an dem sie zusammen aufwachen, steht am Anfang eines Sommers, der ihre Beziehung vor ganz neue Herausforderungen stellt. Es ist ein Film über ihre Beziehung, über die Brüche und Risse hinter der intakten Fassade, über Lebenswünsche und Sehnsüchtige der Generation 35plus.

Schipper erzählt seine Geschichte mit viel Pfiff und Humor. Besonders Milan Peschel weiß das mit seiner Figur gut umzusetzen. Eine Ulknudel par excellence. Ganz im Gegensatz dazu sein Bruder Friedrich: Ein Architekt, der soeben von Frau und Kindern verlassen wurde und ein ernster, zielstrebiger, steifer Zeitgenosse ist. Aber gerade diese Gegensätze bringen das Feuer zum Lodern und sie werden auch immer wieder thematisiert. Wenn Thomas mit Augustine anbändelt, scheinen sie wie gemacht füreinander. Sie sind beide Kaffeetrinker, Fleischesser und Morgenschwimmer. Und Hanna und Friedrich beide Teetrinker, Vegetarier und im Leben strukturierter. Aber dennoch sind Hanna und Thomas füreinander bestimmt, aber sie müssen noch einige Prüfungen bestehen, bevor sie sich am Ende wieder auf das Miteinander besinnen. Goethes Wahlverwandschaften endet tragisch, Schippers Ende ist offen und optimistisch. Das sind ja gute Aussichten auf diesen Sommer.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/mitte-ende-august