Cold Souls

Donnerstag, 11.4. 2013, Arte, 00:00 Uhr

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wie bei jenem Film geht es auch in Cold Souls um einen realen Schauspieler: Paul Giamatti verkörpert in diesem Film sich selbst – und lässt mit sichtlichem Vergnügen kein gutes Haar an der eigenen Zunft. Weil ihn angesichts der Herausforderung einer Rolle in Anton Tschechows Onkel Wanja der Frust überkommt – immerhin geht es bei russischen Dramatikern (hier denke man sich bitte die russische Aussprache hinzu) stets um SEELE, und zwar um ganz viel davon – verfällt der Mime auf die Idee, die eigene loszuwerden. Wie gut, dass er zufällig über das Inserat eines obskuren Unternehmens namens The Soul Storage stolpert, das die fachgerechte Einlagerung derselben verspricht und ihm stattdessen die waschechte Seele eines russischen Poeten implantiert. Klar, dass mittels dieses Kunstgriffes die Tschechow-Rolle ganz selbstverständlich und kinderleicht von der Hand geht. Weil die Nebenwirkungen der russischen Seele aber mit der Zeit ein beängstigendes Ausmaß annehmen, will Giamatti die eigene bald wieder zurück. Nur: Die ist längst in den Warenkreislauf eingegangen und bereits in Russland, wo sie Sveta eingepflanzt wurde, die so gerne Schauspielerin wäre. Also macht sich Giamatti dorthin auf, um seine eigene Seele wieder in Besitz zu nehmen, doch natürlich ist so ein Geschäft mit neoliberalen Teufeln gar nicht so einfach rückgängig zu machen.

Sophie Barthes' vergnügliches Langspielfilm-Debüt Cold Souls erinnert nicht nur an Spike Jonze und Charlie Kaufman, sondern auch an surrealistische und absurde Literatur, an André Breton, Boris Vian, Eugene Ionesco, an Woody Allen, Federico Fellini und vor allem an Luis Buñuel, den die Filmemacherin zutiefst verehrt. Insofern werden die vielen Vergleiche mit Being John Malkovich nur bedingt gerecht; dessen Sarkasmus und bisweilen zynische Sichtweise ersetzt sie durch Wärme und beinahe schon kindliche Neugier auf die Sorgen und Nöte ihres Protagonisten. Herausgekommen ist so eine köstliche Spielerei voller verrückter Einfälle, die dennoch zum Nachdenken darüber anregt, was den Menschen im Inneren zusammenhält.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/cold-souls