Zombieland (2009)

Fleischeslust und Rinderwahn

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Dass Menschen ihm eh schon immer komisch vorkamen und er ihr aggressives Verhalten in der High School gut zu umgehen gelernt hat, sowie sein ausgeprägtes Wissen um die Zombieverhaltensregeln, machen Columbus zu einem der wenigen erfolgreichen Überlebenden. Ganz getreu dem Motto "Die Letzten werden die Ersten sein" trifft er bald auf Tallahassee (Woody Harrelson), einen völlig durchgeknallten Cowboy. Im echten Leben ein Nichtsnutz ist Tallahassee zwar nur ganz knapp davor komplett durchzudrehen, gleichzeitig hat er sich aber zum besten Zombiekiller der Welt gemausert. Die beiden ungleichen Außenseiter tun sich widerwillig zusammen, um arbeitsteilig Zombies zu enthirnen und dabei durch Amerika zu fahren auf der verzweifelten Suche nach dem letzten überlebenden Twinkie-Kuchen. Doch bevor sie den finden, werden sie von einem Schwesternpaar (Emma Stone und Abigail Breslin) abgezockt und ohne Auto und Waffen zurück gelassen.

Columbus "Überlebensregeln" sind teils absolut sinnvoll (Regel Nr.1: Ausdauertraining), teils seinen Neurosen (Regel Nr. 2 Vorsicht vor Badezimmern) geschuldet und bieten die perfekte Mischung aus Ironie und ungesühntem Frönen von Nerdwissen. Es macht einfach unglaublich Spaß zuzuschauen wenn er wie ein Mädchen quietschend vor der Zombiehorde flieht, während Tallahassee nur mit einem Banjo bewaffnet, ein Massaker anrichtet. Harrelsons Figur ist wie die lustige Variante des Massenmörders Mickey aus Natural Born Killers. Man kommt nicht umhin es vergnüglich zu finden, wenn er Zombies mit Musikinstrumenten, Autotüren, elektrischen Brotmessern und anderen absurden Gegenständen platt macht. Eigentlich ist der Unterschied zu Natural Born Killers nur die Motivation des Mordens und die Tatsache, dass seine Opfer - technisch gesehen - ja eh schon tot sind.

Was klingt wie ein typisch schrecklicher Trashfilm, entpuppt sich schon in der ersten Minute als gekonnt inszenierte Pop-Zombiekomödie. Zombieland ist Slapstick und zugleich liebevolle Hommage an ein Genre, das seit schon seit Bela Lugosis Der weiße Zombie (1932) sein Unwesen im Kino treibt. Bei allem Charme verliert sich der Film allerdings ab und an in seiner selbst erzeugten Ästhetik. Einige Spezialeffekte kommen recht mittelmäßig daher und vermiesen manchmal den Spaß am sonst recht spektakulären Gemetzel. Bei genauerer Betrachtung stolpert man auch hier und da über Unstimmigkeiten in der Geschichte. Doch viel Zeit zum Ärgern hat man nicht, denn Zombieland ist rasant. Erfrischend flink aber nicht zu schnell führt Fleischer von einer haarsträubenden Szene in die nächste. Dabei sind es aber vor allem die Darsteller und nicht die Splatter-oder Horrorelemtente, die diesen Film tragen. Vor allem Eisenberg und Harrelson perfektionieren das Spiel auf der schmalen Grenze zwischen Ironie und Gaga, machen so die kleinen Patzer völlig nichtig und tragen Zombieland in die Liga von Shaun of the Dead.

Fleischers Werk ist aber nicht nur knalliges Popcornkino. Wie es sich für einen Zombiefilm gehört, verpackt er subtil wie der Großmeister des Genres, George Romero, eine bitterböse Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft. Nicht umsonst ist ein Burger Auslöser der Katastrophe. Zombieland ist kurzweilig, charmant und witzig und kommt in Zeiten der Krise und der Pandemie gerade richtig zur Aufmunterung der Massen.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/zombieland-2009