Wenn wir zusammen sind

Eine unkonventionelle Wohngemeinschaft

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Vor allem der geschmackvoll gekleidete Architekt Antoine (Pascal Elbé), der schon seit Jahren nicht mehr mit einer Frau zusammen war, erscheint wie ein Bilderbuchschwuler. Die durchgestylte Wohnung und seine Küchenqualitäten als Hobbykoch können sich sehen lassen, ebenso seine exzellente Weinauswahl, abgerundet durch einen übertriebenen Putzzwang. All das lässt auch seine größte Bewunderin Sophie (Florence Foresti) in manchen Momenten die falschen Rückschlüsse ziehen. Dabei will Antoine nur in aller Ruhe (und vor allem Sauberkeit) seinen kleinen Sohn Louis aufziehen, und mit Mathias (Vincent Lindon) und dessen Tochter Emily dem einsamen Leben als Single ein wenig auf die Sprünge helfen. Sein Regiment ist allerdings eisern, denn er stellt fünf Regeln auf, die das Zusammenleben etwas unbequem machen. Dazu gehören unter anderem der Verzicht auf einen Babysitter und das Verbot von Damenbesuch in der gemeinsamen Wohnung, die dadurch entstanden ist, dass Mathias beherzt zum Vorschlaghammer gegriffen und kurzerhand die Wand zwischen den vorher getrennt bewohnten Wohnungen niedergerissen hat. Der frisch verliebte Mathias will aber auch nicht auf sein neues Glück Audrey (Virginie Ledoyen) verzichten und ist sehr einfallsreich in seinem Umgehen der Regeln. Währenddessen versucht Sophie - ihrerseits sehr einfallsreich - durch den emotionalen Panzer Antoines durchzudringen, ohne jedoch Klartext zu reden, so dass der Einsiedler nichts von den subtilen Avancen mitbekommt. Und dann sind da all die anderen eigenwilligen und vor allem liebenswerten Charaktere in dieser französischen Enklave Londons, die das Leben eigentlich erst so richtig schön machen. Ob Mathias seine Beziehung zu Audrey geheim halten kann und Sophie ihr Herzblatt Antoine doch noch bekommen wird?

Wenn wir zusammen sind, die Literaturverfilmung des französischen Bestsellers von Marc Lévy, wurde durch dessen Schwester Lorraine Lévy realisiert und ist ein Männerfilm ganz besonderer Art. Es stehen die Macken und Eigenarten der Protagonisten im Vordergrund, die irgendwo zwischen Die fabelhafte Welt der Amélie und Notting Hill anzusiedeln sind. Konsequent wird während des ganzen Films so gut wie kein Englisch gesprochen, und die Franzosen bleiben unter sich und zelebrieren die französische Lebensart in der regenreichen britischen Hauptstadt. Von daher lohnt sich der Besuch des Films auf jeden Fall in der Originalfassung, denn die Sprachbarrieren sorgen so manches Mal für zusätzliche Komik. Die Figur des Mathias' ist dabei mindestens eben so komisch angelegt, wie die von Antoine. Denn Mathias verfügt über eine extreme Höhenangst, die bereits entsteht, wenn er in seinem Antiquariat ein Buch aus dem obersten Regal holen muss und natürlich noch größer wird, wenn er heldenhaft eine Katze oder einen kleinen Jungen vom Wipfel eines Baumes holen will. Glücklicherweise ist seine Lebensretterin Audrey immer zur rechten Zeit am rechten Ort, um den zwanzig Jahre älteren Mann mit seinen Feincordhosen vor dem sicheren Tod zu retten. Antoine hat mit seinem Putzzwang da ganz andere Probleme, denn so gastfreundlich er auch ist, und so wundervoll er auch kocht, so bleiben seine Gäste immer unter sich, da er – während die sich bereits dem feinen Schmaus hingeben – noch mit dem Wienern seiner Designerküche beschäftigt ist. Klar, dass er dabei nichts von der Liebe Sophies mitbekommt.

Wenn wir zusammen sind lebt durch den Charme seiner beiden Hauptdarsteller, die trotz ihrer Gegensätzlichkeit ganz wunderbar zusammen passen, durch etliche liebevoll gezeichnete Nebenfiguren und zudem hat die Komik genau das richtige Maß, ohne ins Übertriebene abzurutschen, so dass für anspruchsvolle Unterhaltung gesorgt ist. Liebenswert, charmant und stellenweise urkomisch!

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/wenn-wir-zusammen-sind