Das Leuchten der Stille (2010)

Die Liebe der Soldaten

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Savannah (Amanda Seyfried aus Mamma Mia) und John (Channing Tatum) lernen sich auf eine Weise kennen, wie sie sich wohl viele junge Leute in einsamen Nächten erträumen. Savannah ist mit Freunden am Strand. Durch ein Missgeschick fällt ihre Tasche ins Wasser. John, der aus der Ferne ein Auge auf die süße Blonde mit dem mädchenhaften Charme geworfen hat, fackelt nicht lange. Schließlich ist der gut aussehende Jüngling mit seinen markanten Gesichtszügen und dem austrainierten Oberkörper Soldat. Er springt ins Wasser, taucht auf den Grund und legt Wert darauf, das nasse Ding wie eine Siegestrophäe der Besitzerin höchstpersönlich in die Hände zu drücken. Was folgt, sind zwei Wochen voller achtsamer Zärtlichkeit, in denen die Grundlage für eine ewige Liebe gelegt wird, die alles übersteht.

Denn da gibt es einiges zu bewältigen: John muss zurück zu einem geheimen Einsatz irgendwo in Afrika. Zwölf Monate lang sehen sich die Liebenden nicht. Dann, als alles gut werden soll, kommt der 11. September 2001. John steht vor der Frage, was wichtiger ist, Vaterland oder privates Glück. Oder besser gesagt, er steht nicht wirklich vor dieser Entscheidung. Der Charakter der Figur und die moralische Überhöhung der Story sind so angelegt, dass es nur eine Antwort gibt: Die Liebe muss hinter dem Patriotismus zurückstehen, und sei sie noch so unsterblich und einzigartig. Da gibt es im Grunde nichts zu entscheiden, das ist einfach nur Schicksal. Und im Übrigen der Boden, auf dem die wirklich reinen Liebesgeschichten erblühen: Solche Beziehungen müssen sich nicht im Alltag bewähren, weil eine höhere Macht das verhindert.

Mit gewohnter handwerklicher Perfektion kleidet Lasse Hallström diesen Stoff in erlesene Bilder. In eine Landschaft am Meer, die auf ewig der Spätsommer mit seinem goldenen Licht überstrahlt, in Kornfelder, Vollmondnächte und großzügige Häuser im lässigen Landhausstil. Aber nicht die manchmal etwas glatte Oberfläche und auch nicht die zuweilen aufdringliche Musik sind das eigentliche Problem des Films. Schwerer ins Gewicht fällt die Anlage der beiden Hauptcharaktere. Savannah lernen wir gleich in den ersten Minuten als ein ebenso lebensfrohes wie altruistisches Mädchen kennen, das keinerlei Laster hat. Und John hat sich zwar früher öfter mal geprügelt, aber die Armee hat aus ihm einen geläuterten jungen Mann gemacht, der weiß, auf was es einem guten Amerikaner ankommt.

Die Probleme dieser Liebe können also nur von außen kommen. Und zwar gar nicht einmal von einer böswilligen Instanz oder einer finsteren Macht. Sondern von der puren moralischen Notwendigkeit, für sein Vaterland zu kämpfen (im Fall von John) oder einem Kranken zu helfen (im Fall von Savannah). Womit im Übrigen Rollenbilder zementiert werden, die man längst überwunden glaubte: hier der starke Mann, der hinaus in die Welt zieht, dort die häusliche Frau, die für das Soziale zuständig ist. Trotzdem: Wer komplett in eine Traumwelt abtauchen will, den lässt Das Leuchten der Stille / Dear John ein Schicksal nachfühlen, wie man es nur im Roman und im Kino findet.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/das-leuchten-der-stille-2010