Der Ghostwriter

Geisterbeschwörung des Mr. Namenlos

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der Geistschreiber, um den es hier geht (dargestellt wird er von Ewan McGregor), ist ein Mann ohne Eigenschaften, ein literarischer Troubleshooter, ein Mr. Namenlos. Als der vorherige Ghostwriter des britischen Ex-Premiers Adam Lang (Pierce Brosnan) bei einem mysteriösen Vorfall ums Leben kommt, wittert dessen Agent die große Chance und schafft es tatsächlich den lukrativen Auftrag, der dem Autor 250.000 Dollar einbringt, an Land zu ziehen. Allerdings muss der Schreiberling sofort in die USA fliegen und von nun an vier Wochen in der hermetisch abgeriegelten Welt des Ex-Politikers verbringen, der sich auf die Insel Martha's Vineyard zurückgezogen hat. In seinem festungsartig ausgebauten Haus am Meer soll das Buch nun entstehen. Das Unternehmen erweist sich dann aber – natürlich – als wahre Katastrophe. Aufgrund der Paranoia des Politikers, der einst sein Land in den Irak-Krieg trieb, ist er in seiner Heimat verhasst und isoliert. Und überall im Haus ist die Paranoia, die beständige Angst mit Händen zu greifen, worunter auch die Arbeit des Ghosts erschwert wird. Zudem keimt in ihm bald der Verdacht auf, dass es beim Tod seines Vorgängers vielleicht doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Als der Internationale Strafgerichtshof Lang schließlich sogar wegen einer Aussage seines früheren Außenministers unter Anklage stellt, liegen die Nerven blank und die Ereignisse spitzen sich zu. Und nun endlich beginnt auch der Ghostwriter, den vorgezeichneten Weg der gekauften Loyalität zu verlassen und selbst die journalistische Fährte aufzunehmen...

Zwar bestreitet Robert Harris, der Autor der Romanvorlage energisch jeden Bezug zur Amtszeit Tony Blairs, doch kommt diese Verbindung jedem Zuschauer sofort in den Kopf. Natürlich ist Pierce Brosnan ein ungleich smarterer Ex-Premier und auch seine hoch intelligente Frau (Olivia Willams) toppt das reale Vorbild nicht nur in Sachen Charme, sondern auch in punkto Durchtriebenheit um Längen. Und natürlich muss man aufgrund des Exils des Politikers im Film auch an das Schicksal Polanskis denken, das beispielsweise dafür sorgte, dass Der Ghostwriter nicht in den USA gedreht werden konnte, sondern auf Sylt und Usedom Gestalt annahm – was man dem Werk aber nicht – oder zumindest nicht in negativer Weise ansieht.

Der Ghostwriter ist ein solider, routiniert inszenierter, eher leiser Politthriller, der vor allem am Anfang mit sehr pointierten Dialogen und einer großartigen Ausstattung zu gefallen weiß und der am Ende einige Haken schlägt. Natürlich erweist Polanski wie bereits bei Frantic in einigen Szenen Alfred Hitchcock die Ehre, wobei die schlussendliche Auflösung des Geheimnisses des Manuskripts beinahe ein wenig banal ausfällt. Aber jetzt mal ehrlich: Haben das MacGuffins nicht so an sich? Die Wirklichkeit aber, vor allem die politische, dürfte um einiges komplizierter zu entwirren sein.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-ghostwriter