The Kids Are All Right

Eine beinahe ganz normale Familie

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Während in manchen westlichen Ländern wegen der Homoehe noch diskutiert wird, sind uns die USA (zumindest Kalifornien) weit voraus, wenn man Lisa Cholodenkos Film The Kids Are All Right Glauben schenken darf, der im Wettbewerb der Berlinale außer Konkurrenz gezeigt wurde. Hier geht es um eine ganz normale liberale Familie – wenn man mal davon absieht, dass die beiden Kinder Joni (Mia Wasikowska) und Laser (Josh Hutcherson) zwei Moms haben statt einer. Diese beiden Mütter sind die toughe Nic (Annette Bening) und die chaotische und viel weichere Jules (Julianne Moore), die schon seit Ewigkeiten ein Paar sind. Vor vielen Jahren haben sich die beiden den Samen eines anonymen Spenders einsetzen lassen – und zwar des gleichen - , um gemeinsam Kinder haben zu können. Und nun ist Joni 18 Jahre alt, steht kurz vor der Abreise zum College und will auf Betreiben ihre Bruders endlich etwas über den "leiblichen" Vater herausfinden. Der stellt sich als durchaus sympathischer Besitzer eines superangesagten Bio-Restaurants (Mark Ruffalo spielt den Vater namens Paul) heraus und dieser ist durchaus entzückt von dem unvermuteten Nachwuchs. Die beiden Moms hingegen, vor allem Nic, befürchten das Schlimmste. Und sie haben recht damit.
Der verwegene Charmebolzen bringt nämlich das gut eingespielte Familienglück kräftig durcheinander und beginnt zu allem Überfluss auch noch eine Affäre mit der von ihrer routinierten Beziehung gefrusteten Jules. Als Nic von der Affäre Wind bekommt und auch die Kinder vom Fehltritt der einen Mom erfahren, hängt der Haussegen gewaltig schief, allerdings nur für kurze Zeit. Denn in Wirklichkeit kann diese Vier nichts trennen...

Wunderbar leichtfüßig und voller warmherzigem und manchmal auch ein wenig derbem Humor, erzählt Lisa Colodenko von einer ganz normalen Familie mit lesbischen Eltern und bürstet die Klischees über Lesben und ganz normale (heterosexuelle) Familien als Hort des "american way of life" kräftig gegen den Strich. Nebenbei gibt es wundervolle, kleine Seitenhiebe auf die LOHAS ("Lifestyle of Health and Sustainability"), auf Selbstverwirklichung und die Sexbesessenheit unserer modernen Zeit. Dabei sind diese kleinen Spitzen niemals bösartig und subversiv, sondern wollen vor allem eines – unterhalten.

Obwohl der Film durch und durch bieder und konventionell inszeniert ist, macht er dank hervorragender Schauspieler und eines amüsanten Drehbuchs mit pointierten Dialogen und herrlichen One-linern (so blafft Nic an einer Stelle ihren Sohn Laser an: "Schade, dass du nicht schwul bist, dann wärst du sensibler.") einfach Spaß und hat durchaus das Zeug dazu, auch hierzulande ein größeres Publikum zu erreichen. Auf jeden Fall merkte man deutlich, dass ein Großteil der anwesenden Journalisten nach anstrengenden Tagen dankbar war für ein klein wenig Leichtigkeit im ansonsten eher tristen Wettbewerbsprogramm der diesjährigen Berlinale: Es wurde gelacht und am Ende applaudiert wie bei keinem anderen Film.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/the-kids-are-all-right