Die Liebesfälscher

Szenen einer fiktiven Ehe

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Schon während der Fahrt schleichen sich kleine Misstöne in die Unterhaltung ein, Missverständnisse und Rechthabereien sorgen immer wieder für peinliche Pause und verletzte Emotionen. Und doch halten die beiden an ihrem Vorhaben fest, einfach ein paar nette Stunden miteinander zu verbringen. Irgendwann kippt die Situation rein zufällig, und aufgrund einer spontanen Eingebung beginnen die beiden, sich und ihrer Umwelt vorzuspielen, sie seien ein seit 15 Jahren verheiratetes Paar, deren Beziehung die ganz normalen Abnützungserscheinungen einer solchen Ehe zeigt. Je länger das Spiel andauert, desto mehr werden hinter den hypothetischen Gesprächen die realen Verletzungen und enttäuschten Hoffnungen sichtbar, erwachsen aus den Möglichkeiten und Eventualitäten echte Ansprüche aneinander und fast zwangsläufig Verletzungen. Am Ende landen die beiden in einem Hotelzimmer, doch ob aus dieser hypothetischen Beziehung eine echte wird, überhaupt werden kann, darüber lässt sich allenfalls spekulieren. Oder ist vielleicht doch alles ganz anders?

Es ist eine unbestreitbar schöne Idee, die Verwerfungen einer Ehe nicht anhand einer realen, sondern einer vermutlich erfundenen Beziehung zu zeigen. Der aus dem Iran stammende Regisseur Abbas Kiarostami macht aus diesem Einfall eine spritzig-leichte, manchmal etwas sehr wortreiche Sommerkomödie für die Toskana-Fraktion, in der der malerische Ort, der die Kulisse für das "Ehedrama" abgibt, zum dritten Hauptdarsteller wird. Die Liebesfälscher wirkt fast wie eine Variation von Richard Linklaters Before Sunrise für die Generation 40Plus. Als überaus gewitzte Komödie über die Liebe und die damit verbundenen Schwierigkeiten und gerade wegen mancher Widerborstigkeiten über Männer und Frauen und darüber, was die beiden eigentlich miteinander verbindet, hat der Film das Zeug, zu einem echten Publikumsliebling zu werden.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-liebesfaelscher