Rien ne va plus

Donnerstag, 27. Mai 2010, WDR, 00:30 Uhr

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Geht man gewöhnlich davon aus, dass mit den Wirren des Lebens auch jene der Liebe beendet sind, stellt dieser Film diese vermeintliche Gewissheit gehörig auf den Kopf: Als beide zur selben Zeit auf der jeweils anderen Seite der Grenze Osteuropas den Tod finden, treffen Frau Kah (Patrycia Ziółkowska) und der Flüchtling Igor (Mehdi Moinzadeh) im Paralleluniversum des Totenreiches aufeinander. Diese Begegnung erschüttert die beiden frisch Verstorbenen zutiefst, denn auf Anhieb verlieben sie sich heftig ineinander …

Rien ne va plus stellt ein kunstvoll komponiertes, bewegtes wie bewegendes Stück über Liebe, Tod und die Grenzen des menschlichen Daseins sowie darüber hinaus dar, dessen Geschichte die beschwerliche Dynamik von existentiellen Veränderungen thematisiert. Dabei treten philosophische Betrachtungen über das Diesseits und das Jenseits als fiktive Dimensionen innerhalb bildlicher Impressionen in Erscheinung, deren Komplexität sich im Gefüge einer klug kalkulierten Filmsprache so elegant wie eindrucksvoll entfaltet.

Der 1955 in Budapest geborene Foto- und Filmkünstler Gusztáv Hámos, der bereits bei Katja Pratschkes Kurzfilmdebüt Fremdkörper von 2001, das sie im Rahmen ihrer Diplomarbeit präsentierte und welches mit dem Deutschen Kurzfilmpreis in Gold prämiert wurde, die Kamera führte, beweist hier gemeinsam mit der vielseitigen Bildkünstlerin erneut, welch anregende Faszination derartige Experimente auf dem Territorium von Fotografie und Film zu erzeugen vermögen. Rien ne va plus bietet innovatives, kurioses Kunst-Kino, das beinahe nebenbei auch prächtig unterhält.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/rien-ne-va-plus