Milarepa - Der Weg zum Glück

Mythos, Mystik und Magie

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Milarepa (Jamyang Lodro), unter dem Namen Thöpaga im 11. Jahrhundert in Tibet geboren, muss bereits im Kindesalter den frühen Tod des Vaters verkraften. Daraufhin kommen er und seine Mutter Kargyen (Kelsang Chukie Tethtong) in die Obhut des Onkels, der ihnen jedoch sämtliches Hab und Gut des Vaters entwendet. Mutter und Sohn fristen ein trostloses Dasein, das vor allem von Armut bestimmt ist, während die Verwandten das Erbe durchbringen. Dass sich dadurch die Ohnmacht bei Thöpaga allmählich in Wut verwandelt, liegt auf der Hand, und als er erwachsen ist, schickt ihn Kargyen in die Berge, damit er zu dem berühmten Magier Yongten Trogyal (Orgyen Tobgyal) in die Lehre geht, um anschließend Rache an der Familie üben zu können. Ausgestattet mit schwarzer Magie zerstört er daraufhin gnadenlos einen Teil des Dorfes und tötet die Kinder seines Onkels. Aber statt Befriedigung zu erfahren, leidet Thöpaga nun unter seiner Schuld, und er flüchtet in einen buddhistischen Tempel zu einem Mönch. Dieser sensibilisiert ihn für die Sinnlosigkeit von Rache, so dass Thöpaga letztendlich geläutert wird und sich unter dem Namen Milarepa der Lehre Buddhas widmet, die von Vergebung und Güte geprägt ist.

Neten Chokling, der selbst als Wiedergeburt gilt, kam zum ersten Mal durch Bertoluccis "Little Buddha" mit dem Filmbusiness in Berührung, und hat sich mit Milarepa selbst als Regisseur ausprobiert. Dass sein Land so gut wie keine Filmtradition hat, und Choklings Debüt erst die dritte Spielfilmproduktion des Himalaya-Staates ist, merkt man dem Film stark an. Der mangelhafte dramatische Aufbau, der Einsatz von Laiendarstellern und der esoterische und spirituelle Inhalt machen es für den aufgeklärten westlichen Zuschauer schwierig, sich auf diese mystische Geschichte einzulassen. Was sehr bedauerlich ist, denn die (wahre) Geschichte Milarepas soll für die meisten Buddhisten unschätzbar wichtig sein. Glücklicherweise sind die visual effects von erfahrenen Filmschaffenden umgesetzt worden, denn die heben sich positiv von den Holprigkeiten des Films ab, und so glaubt man bisweilen, Harry Potter im Kampf mit dunklen Mächten in Tibet zu sehen. Auch wenn man keine spirituelle Affinität hat, so ist die Botschaft über die Unsinnigkeit von Rache allgemein gültig und die karge, aber imposante Landschaft des Himalaya ist allemal filmtauglich. Aber trotz der Auszeichnung als bester Spielfilm beim European Spiritual Film Festival 2010 in Paris wird Milarepa wohl kaum die Massen ins Kino ziehen. Auch nicht die Arthouse-Begeisterten.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/milarepa-der-weg-zum-glueck