Einige Tage mit mir

Freitag, 13. August 2010, 3sat, 22:25 Uhr

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Nachdem er eine lange Weile in der Psychiatrie verbracht hat, kehrt der stille Martial Pasquier (Daniel Auteuil) zu seiner Familie zurück. Doch zwischen ihm und seiner Frau herrschen Entfremdung und geradezu Gleichgültigkeit, und auch der Rest der wohlhabenden Familie weiß kaum etwas mit dem innerlich komplett zurückgezogenen Mann anzufangen. So stürzt sich Martial kopfüber in die Arbeit, was gleich wieder eine räumliche Trennung zu den Seinen mit sich bringt: Er begibt sich auf eine Dienstreise, um die Supermärkte in der französischen Provinz zu inspizieren, die zur Ladenkette seiner Mutter (Danielle Darrieux) gehören. Die erste Etappe seiner Reise führt ihn nach Limoges, wo rasch deutlich wird, dass die dortigen Defizite bei den Einnahmen das Ergebnis der korrupten Politik des Filialleiters Monsieur Fonfrin (Jean-Pierre Marielle) sind, der sich selbst allzu großzügig bedacht hat.

Statt diesen Mitarbeiter schlichtweg zur Rechenschaft zu ziehen entschließt sich Martial dazu, diese Angelegenheit insgeheim auszubügeln, und bei einem Abendessen bei Fonfrin und seiner Frau (Dominique Lavanant) begegnet er fasziniert deren Hausmädchen Francine (Sandrine Bonnaire), was seine weiteren Pläne ganz entscheidend beeinflusst. Statt seine Reise fortzusetzen engagiert Martial die anziehende junge Frau kurzerhand von den Fonfrins fort und bittet sie, in der von ihm angemieteten Wohnung einige Tage mit ihm zu verbringen, ohne konkrete Bedingungen daran zu knüpfen. Francine willigt zunächst nur zögerlich ein, doch nach und nach entwickelt sich eine tiefe Bindung zwischen den beiden, während Martial nicht nur sich selbst, sondern auch die Fonfrins in den Freundeskreis ihres ehemaligen Hausmädchens integriert, zu dem auch Fernand (Vincent Lindon) zählt, mit dem Francine immer wieder einmal zusammen ist. Als die ungezähmte Francine sich von Martial entfernt, wieder zu kellnern beginnt und an den zwielichtigen Rocky (Gérard Ismaël) gerät, geraten die Ereignisse um diese illustre Gesellschaft schließlich außer Kontrolle ...

Einige Tage mit mir ist die heiter-melancholische Geschichte eines Mannes, der sich nach einer heftigen Krise von den Werten seiner bürgerlichen Herkunft distanziert und sein Leben in einem anscheinend zufälligen Umfeld völlig neu konfiguriert. Martial, der ungeheuer authentisch und berührend von Daniel Auteuil verkörpert wird, gleicht einerseits einem strategischen Spieler, der die unterschiedlichen Protagonisten gezielt um sich gruppiert, und dann wieder einer tragischen Figur, die sich nahezu fatalistisch und mit allen Konsequenzen in ihr unwegsames Schicksal fügt. Ein ganz hervorragend agierendes Ensemble zeichnet diesen bewegenden Film mit seinen dynamischen Wendungen aus, der letztlich eine unbedingte Liebe dort zur Lebensmaxime erhebt, wo nur noch Gleichgültigkeit herrschte. Erfolg und Scheitern, intensive Ambivalenzen jenseits gesellschaftlicher Zwänge sowie die Fähigkeit, die Menschen zu nehmen und zu mögen, wie sie eben sind, bilden die großen Themen dieses rundum gelungenen Dramas, das durch seine wunderbare Leichtigkeit besticht.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/einige-tage-mit-mir