The King´s Speech

Monarch wider Willen

Eine Filmkritik von Annette Walter

Die Geschichte des britischen Königs Edward VIII., der wegen seiner Beziehung zu Wallis Simpson, einer geschiedenen Amerikanerin, 1936 abdankte, ist bekannt. Im Film The King's Speech erzählt Regisseur Tom Hooper das, was er die "B-Seite" dieser Geschichte nennt, nämlich die eines Monarchen wider Willen: Prinz Albert, der nach der Abdankung seines Bruder, Edwards VIII., als König George VI. gekrönt wurde. Prinz Albert war Ehemann von Elizabeth Bowes-Lyon, besser bekannt als "Queen Mum", und Vater der jetzigen britischen Queen.
Albert war ein zurückhaltender Mann, der lieber Privatier geblieben wäre als den Thron zu besteigen. Sein Stottern bei öffentlichen Reden machte ihm schwer zu schaffen. Denn die Macht des Wortes war das einzige, das ihm als König, der keinerlei verfassungsmäßige Macht inne hatte, übrig blieb. So wurde ein Sprachtherapeut namens Lionel Logue (Geoffrey Rush) konsultiert, um Prinz Albert bei seinen Reden zu unterstützen. Und dieser Lehrer bediente sich reichlich unkonventioneller Methoden ...

Mittelpunkt von The King's Speech ist die Beziehung von Albert zu Logue. Die Gespräche der beiden werden zu psychotherapeutischen Sitzungen und gewähren Einblicke in die strengen Erziehungsmethoden, unter denen der Monarch zu leiden hatte. Er musste als Kind Metallschienen an den Beinen tragen, zudem einen strengen Vater und ein grausames Kindermädchen erdulden.

Regisseur Tom Hooper ist mit The King's Speech ein reizvolles Kammerstück über die Bürde eines hohen Staatsamtes und die innere Zerrissenheit eines von Selbstzweifeln geplagten Menschen gelungen. Visuell ist der Film anspruchsvoll inszeniert, ein ästhetisches Kino-Erlebnis, keine Frage. Inwiefern die Szenen im Detail historisch belegt sind - darüber lässt sich nur mutmaßen. Doch gemäß der Ausführungen von Regisseur Hooper und Drehbuchautor David Seidler wurde vor Drehbeginn ausführlich recherchiert und die Aufzeichnungen Louges verwendet, um ein möglichst wahrheitsgemäßes Bild der historischen Personen zu zeichnen.

Das Spannungspotential des Films baut im Wesentlichen darauf auf, ob Albert es schaffen wird, tatsächlich eine flüssige Rede zu halten oder seine Stimme abermals versagen wird. Deshalb ist der Verlauf der Geschichte absehbar und wenn gegen Schluss Hollywood-Mainstream siegt und dem Patriotismus voller Pathos gehuldigt wird, dann hätte man sich doch in mancherlei Hinsicht einen vielschichtigeren Plot ersehnt. So fällt beispielsweise auch Helena Bonham-Carters Rolle der aufopfernden Ehefrau an der Seite des Königs ein wenig zu eindimensional aus. Aber vielleicht ist man auch durch dann ganzen Boulevard-Tamtam rund um das Haus Windsor vorbelastet.

Die Sensation des Films ist ohne Frage Colin Firth. Er beweist als Prinz Albert wie schon als George Falconer in A Single Man, dass er die Darstellung melancholischer und widersprüchlicher Charaktere, die mit sich selbst hadern, brillant beherrscht. In Firth' Gesicht lässt sich die ganze Verzweiflung des Königs wider Willen ablesen, an seinen Lippen hängt man, wenn er den stotternden Monarchen gibt und damit die ganze Tragik und die Scham, die dieses Handicap mit sich bringt, schmerzlich erlebbar macht. Seine Darstellung verleiht der Figur des Königs absolute Glaubwürdigkeit. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Firth bei den Oscars 2011 leer ausgehen würde. The King's Speech beeindruckt außerdem durch raffiniert eingestreuten schwarzen Humor. Als eine seiner kleinen Töchter Prinz Albert während einer Rede des geiferenden Hitlers, die die Königsfamilie auf einer Leinwand ansieht, "What does he say?" fragt, antwortet Albert lapidar: "I don't know, but he says it rather well."

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/the-kings-speech