Cars 2

Zwei Asse tanken Super

Eine Filmkritik von Lida Bach

So tiefsinnig, dass sie mehr als eine Bedeutung hätten, sind die Worte der Autos selten, im Gegensatz zu deren Namen. Der von Finn McMissile klingt verdächtig nach einem Codewort für den Werbedeal, den Pixar mit einem Fast-Food-Konzern über Spielzeug-Figuren in dessen Kindermenüs abschloss. Der britische Geheimagent (Michael Caine) und seine Kollegin Holly Shiftwell (Emily Mortimer) haben die Lizenz zum Ausbremsen zwielichtiger Fahrzeuge wie Miles Axelrod (Eddie Izzard). Der Schurke, mit dem der unerfahrene Rennwagen Lightning McQueen (Owen Wilson) in der Vergangenheit zu tun hatte, ist nach einem angeblichen Sinneswandel auf organischen Treibstoff umgestiegen. Zu Werbezwecken veranstaltet Axelrod ein spektakuläres Rennen in Tokyo, bei dem auch McQueen an den Start geht. Nachdem der Stolz des verschlafenen Auto-Städtchens Radiator Springs einmal Motoröl getankt hat, scheint das Rennen ihm wichtiger als seine Freundschaft zu dem geistig leicht verrosteten Mater (Larry the Cable Guy). Der findet sich durch eine Verwechslung in einer riskanten Spionageaffäre um weder umwelt- noch autofreundlichen Brennstoff wieder, bei dem weit mehr als ein Rennpokal auf dem Spiel steht.

Die Reifen und der Plot überdrehen gemeinsam in der stürmischen Fortsetzung, die ganz der unbedarften Animationsunterhaltung verhaftet ist. Hauptfigur ist nun nicht mehr der zum Rennauto getunte Lightning McQueen, sondern sein tolpatschiger Freund Mater. Wer einen Freund findet, finde einen Schatz, heißt es in einem der spärlichen ruhigen Momente. Dass der italienische Charakter (Franko Nero), der den Rat gibt, Topolino heißt, wird zur unfreiwilligen Ironie. Topolino ist der italienische Name der berühmten Maus des Filmstudios, dem Pixar angehört. Das behäbige Wertebewusstsein und die Kommerzialität der typischen Disney-Werke bremsen Cars 2 trotz der rasanten Inszenierung dramaturgisch aus. Um Freundschaft geht es nur am Rande der Rennstrecke, auf der die Figuren am Zuschauer im doppelten Sinne vorbei rasen. Das Sequel verzichtet auf das Repertoire im wörtlichen und figürlichen Sinne angekratzten Nebencharaktere, die den eher mäßigen Rennstreifen liebenswert machten. Statt spleeniger Vehikel bleibt nur Lasseters Spleen für Cars, animiert oder motorisiert.

Das Sequel schwelgt im Fahrzeug-Faible Lasseters, der seit dem ersten Teil ganz im Kosmos von der Cartoon-Serie zu Cars und dem damit verbundenen Merchandising aufging. Letztes sicherte Cars jenseits der Leinwand den Gewinn, welcher der Hauptanreiz für das quirlige Sequel scheint. Ein wenig lockere Unterhaltung, die mehr Witze als Anspruch liefert, bieten die halsbrecherischen Manöver immerhin, wenn sie auch so flüchtig ist wie die bunten Flitzer, die einem absehbaren Happy-end entgegen brausen. Der turbulente Mix aus James Bond und Das große Rennen rund um die Welt appelliert mit seinen verspielten Details an das Kind im erwachsenen Zuschauer und mit den heftigen, aber harmlosen Action-Sequenzen an den Erwachsenen im Kind. Wo die künstlerische Pixar-Panne ihr avisierte Publikum sieht, ist demnach nicht ganz klar, doch im Scheinwerferlicht steht ohnehin nur die Zielgerade. Dahinter brummen die Werbeeinnahmen durch Produktmarketing in Form von Cars 2-Spielzeug. Hoffentlich alles aus Bioöl.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/cars-2