Green Lantern

Eine Filmkritik von Lida Bach

Dass sich Green Lantern als ungehemmtes Action-Fest nicht durch leise Töne auszeichnet, ist nur konsequent. Inkonsequent ist hingegen, dass ausgerechnet Campbell seine Figuren so entseelt und flach anlegt, dass ein Mitfiebern mit ihrem Kampf nahezu unmöglich wird. In Casino Royale bewies der Regisseur, dass überzeugende Charaktere und eine populäre Helden-Saga einander nicht ausbremsen, sondern antreiben. Während Genre-Geschwister von Green Lantern wie Iron Man und Batman der alten Superheldenrolle mit Selbstironie oder psychologischer Düsterkeit einen originellen Dreh verliehen, fehlt es der grün phosphoreszierenden Weltraumoper schmerzlich an Humor und Spannung. Die vorrangig auf Zweideutigkeiten und Klamauk basierenden Gags wirken öfter peinlich als auflockernd und unterminieren mit unfreiwilliger Ironie, was energisch als gottgefällige Heilsgeschichte inszeniert ist. Man muss kein Theologe sein, um die grob umrissenen Überresten des komplexen Szenarios der Comic-Reihe als Staffage für eine christliche Messias-Geschichte zu erkennen.

Der mit der unbeholfenen Mischung aus Klamauk und Gewichtigkeit inszenierte Schwur ist nicht nur für Jordan eine Offenbarung, sondern auch darüber, welche von überbordenden CGI-Effekten befeuerten Mächte tatsächlich um das Universum kämpfen:

"In brightest day, in blackest night,
No evil shall escape my sight.
Let those who worship evil’s might
Beware my power—Green Lantern’s light!"

Wer darüber rätselt, warum der Name eines der mächtigsten Comic-Superhelden vage an eine mittelalterliche Ampel erinnert, hat in der Bibelstunde heimlich Comics gelesen. "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.", heißt es im Buche des Herrn, dessen Licht augenscheinlich auch das schöpferische Dunkel des Autoren-Quintetts erleuchtete. Die Schrift, an deren Geschichte sich das Drehbuch orientierte, ist noch ein wenig älter als die DC-Comics von Bill Finger und Martin Nodell. Jordan ist ein Auserwählter, der ein gewöhnliches Sterblichen-Dasein führt, bis ein Abgesandter der höchsten Macht vom Himmel zur Erde kommt und ihm seine Berufung verkündet. Mit großer Macht kommt im Superhelden-Genre unausweichlich auch große Verantwortung. Jordan muss lernen seine Kraft zu beherrschen und der Versuchung durch das Böse widerstehen. Der Überlauf zu den Mächten der Dunkelheit, gegen die der galaktische Nachtwächter-Verein anleuchtet, vereint in sich die klassischen Varianten christlichen Frevels.

Als Wissenschaftler vertritt Hector Hammond zugleich rationalen Zweifel gegenüber höherer Gewalt und kritische Intellektualität gegenüber Jordans soldatischem Eifer. Als Senator ist Robert Hammond (Tim Robbins) sowohl Hectors biologischer Vater als auch Verkörperung von Vater Staat. Hectors Rebellion macht ihn zur Parallelfigur des mephistofelischen Wächter Sinestro (Mark Strong), der zum Wohl der Galaxis die Erde zerstören will, und zum Gegenbild Jordans, den seine Liebe Carol (Blake Lively) stets als mutig sah: "Genau wie dein Vater." Die Ressentiments zwischen Sinestro und Jordan bringt die Religionsbotschaft auf ein politisches Level. Zu behaupten, Green Lantern heroisiere das Konzept einer selbsternannten Weltpolizei, geführt von einem weißen, männlichen, christlichen Amerikaner, die das Gesetzt der kosmischen Co(r)ps mittels einer in radioaktivem Grün leuchten physikalisch erzeugten Superkraft durchsetzt, wäre selbstverständlich absurd. Nicht jedoch zu behaupten, dass er einer fantasielos und spannungsarm inszenierten Lichtshow gleicht, die sämtliche Schauwerte im Trailer verpulvert. Green Lantern hinterlässt nur den Hoffnungsschimmer, dass der nächste Privatheld der USA, der schon in den Kinostartlöchern steht, die Menschheit auch vor missglückten Superhelden-Sagen rettet: Oh Captain, mein Captain !

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/green-lantern