Nesvatbov

Liebe auf Befehl

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Die Dokumentarfilmerin Erika Hniková begleitete die glorreiche Schlacht mit ihrer Kamera und stellt nun im Forum der Berlinale das tragisch-komische Ergebnis vor. Sehr zurückhaltend und nur selten Fragen stellend, lässt sie vor allem durch die alles dokumentierende Kamera die einzelnen Schicksale der ProtagonistInnen erzählen. Hniková hat ein großartiges Auge für Details. Bei ihren Porträts einzelner Singles gelingen ihr grandiose Aufnahmen aus deren Alltag, die manchmal vor Situationskomik nur so strotzen. Wenn Automechaniker Jančo in seiner Werkstatt davon erzählt, dass er seine Autos hat und keine Frau braucht, während "The Power of Love" von Frankie goes to Hollywood im Radio plärrt, vermögen die Bilder viel mehr zu transportieren als die Worte. Wenn Dana auf dem Singles-Abend versucht mit Männern zu flirten, sich ihre Mutter aber auch dorthin eingeladen hat, um sie zu beobachten und dann verfrüht nach Hause zu zerren, dann eröffnet das Geschehen schnell tiefere Ebenen.

Man fragt sich, warum diese Menschen eigentlich keine Beziehung haben. Ist es den Umständen geschuldet, sind sie sozial inkompetent? Liegt es an ihrem abgeschiedenen Leben im Dorf? Am Mangel an Möglichkeiten? Oder ist es vielleicht eine pro-aktive Entscheidung allein sein zu wollen? Deutlich zeigt sich die Diskrepanz zwischen den alten, christlichen Traditionen und der postmodernen Freiheit, eben einfach allein bleiben zu wollen. Der Bürgermeister, lautstarker Verfechter von Hochzeit und Familie, verzweifelt zusehends an seinen Schäfchen, die entweder gar nicht so ein Leben wollen oder es nicht können, weil sie sozial unfähig sind oder – wie im Fall von Dana – weil sie als Ersatz für ein verwitwetes Elternteil herhalten müssen. Da helfen auch keine täglichen Lautsprecherdurchsagen, die durch das ganze Dorf schallen und die Bewohner auffordern, für den Fortbestand des Dorfes per Kopulation zu sorgen. Es ist schon erstaunlich, welche persönliche Nähe Hniková in ihrer Dokumentation aufbauen konnte. Offensichtlich ist das Thema ein Tabu, die Betroffenen schämen sich, die Älteren – oftmals gar die eigenen Eltern – machen sich lustig sich über deren Situation. Doch auch hier entlarvt die Kamera gnadenlos. Denn das vermeintlich gute Leben in der Ehe ist auch nicht das Wahre. Kleine Episoden und minimalistische Einblicke in die als erstrebenswert propagierte christliche Ehe zeigen auf, dass man auch durch eine Heirat nicht gefeit ist vor Einsamkeit.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/nesvatbov