Brautalarm

Scheiss auf die Hochzeit

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Brautalarm begleitet eine Gruppe von Frauen während der Vorbereitungen zu einer Hochzeit. Eine Anlehnung an das Sex and the City Ensemble scheint mehr als nur gewollt und nur zwei Figuren unterscheiden sich von Carrie Bradshaw und Co.: Annie (Kristen Wiig), die neurotische Anführerin ist im Gegenteil zu ihrem Vorbild ganz und gar nicht gut betucht. Sie hat ihren Job verloren, wohnt bei eigenartigen Engländern und pflegt ein recht ungesundes Sexualleben. Sie ist das Zugeständnis an die amerikanische Gesellschaft im momentanen desolaten Zustand. Alle anderen Figuren hingegen, sind so weit entfernt von der Realität, wie sie es nur sein können. Es scheint, dass die Charaktere dem Regisseur Paul Feig nur als Schablonen dienen sollen. Das geringe Interesse an deren Tiefe und Entwicklung zieht sich durch den ganzen Film. Dabei kommt vor allem der korpulente Megan (Melissa McCarthy) eine durchaus verstörende Rolle zu. Sie ist das mit Fäkalhumor um sich schleudernde, übersexualisierte, rülpsende Monster des Films. Es kann zwar als Neuerung (und eventuell gar Emanzipationsversuch der sonst üblichen Bilderpolitik) gewertet werden, dass eine dicke Frau im Mittelpunkt steht, doch leider tut sie es, indem sie Trägerin des animalischen Kerns der Komödie ist. Damit erfüllt sie dann doch wieder das Klischee der dicken Frau und schlimmer noch. Während sich die „schönen“ Damen eher auf den romantischen Teil der Erzählung konzentrieren können, ist sie gezwungen ständig für Lachnachschub zu sorgen – ein Mechanismus, der sich irgendwann selbst überholt.

Genau hier liegt auch der problematische Kern des Films. Natürlich bringt es Lacher hervor, wenn eine Gruppe Damen in Hochzeitskleidern einem massiven Anfall von Diarrhö erliegen: sei es weil der Zuschauer Spaß hat am Quasi-Anarchismus der Situation oder weil er seinen Ekel weglachen muss. Und es scheint, dass Brautalarm hier endlich einmal mit Filmklischees zu brechen scheint. Es wird, im wahrsten Sinne des Wortes auf die Institution der Heirat geschissen, die ja das höchste Ziel einer jeden romantischen Komödie ist. Doch blickt man ein wenig unter die Oberfläche und betrachtet die Geschichte näher, so fällt es schwer den Film unbeschwert zu genießen, denn im Endeffekt tut Brautalarm nur so, als wäre er anarchisch. Das Potenzial der "Animal Comedy" wird mit Nichten ausgenutzt. So bleibt am Ende das fahle Gefühl, dass der Fäkalhumor hier nur als Marketing- und Spaßelement fungiert und davon ablenken soll, dass es sich hier nur wieder um eine Nullachtfünfzehn-Komödie handelt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/brautalarm