Halt auf freier Strecke

Diese schmerzhafte Zeit des Abschieds

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Und so bleiben sie allein mit ihrem Elend, mit all ihrer Hilflosigkeit, ihrem Schmerz und mit Franks sich zunehmend verschlechterndem Zustand. Die Kinder müssen mit ansehen, wie der Vater zerfällt, wie sich seine Persönlichkeit verändert, wie die Eltern des Paares dem Auseinanderbrechen der Familie machtlos gegenüber stehen. Bis die Zeit des Abschieds kommt...

Andreas Dresen neuer Film Halt auf freier Strecke ist harte Kost. Schonungslos beschreibt er das mühsame Sterben eines Mannes, der doch eigentlich noch eine lange Wegstrecke vor sich hat. Doch wie der Filmtitel es bereits vorwegnimmt, muss sich die Familie damit abfinden, dass ihnen diese Zeit nicht mehr bleibt. Vom ersten Moment an packt einen dieser Film, bleibt bis auf einige Ausflüge ins Absurde (so etwa wenn Franks Gehirntumor als Gast in der Harald Schmid Show auftritt und vom Zustand des Patienten berichtet) stets von beinahe dokumentarischer Qualität und glasklarer Unbarmherzigkeit, die emotional berührt und dafür sorgt, dass man diesen unglaublichen kraftvollen, ehrlichen und niederschmetternden Film mit einem dicken Kloß im Hals verlässt – nicht komplett niedergedrückt, aber mit einem sehr schweren Herzen. Dennoch: Wer diesen Film aushält, sollte ihn auf gar keinen Fall verpassen. Und wer im Kino keine Gelegenheit dazu hatte, der kann, nein, der sollte dies nun auf DVD nachholen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/halt-auf-freier-strecke