Die Muppets

Von Muppets und Menschen

Eine Filmkritik von Christian Horn

Smalltown, irgendwo in den USA: Muppet Walter (Stimme: Peter Linz) und sein bester Freund Gary (Jason Segel, How I met your Mother) sind eingefleischte Fans der Muppet Show und verpassen bis zu deren Absetzung keine Folge. Bei einer Reise nach Los Angeles, bei der auch Garys Freundin Mary (Amy Adams) mitkommt, besuchen die Freunde die mittlerweile verfallenen Muppet Studios. Angeblich will der Ölmogul Tex Richman (Chris Cooper) auf dem Gelände ein Museum für die einst erfolgreichen Puppen einrichten – in Wirklichkeit will er die Studios jedoch abreißen, um an eine darunter liegende Ölquelle zu gelangen, und die Muppets überdies durch seine bösen "Moopets" ersetzen. Den ersten Schreck verwunden, fassen Gary und Walter einen Plan: Die Muppets müssen zurück auf die Bühne! Mit Kermit im Gepäck reisen die Kumpels quer durch die USA – im Fall von Miss Piggy bis nach Paris – und sammeln die verstreuten Mitglieder ein, die schließlich unter gewohnt chaotischen Umständen die Vorbereitungen für die Show angehen und dabei auch nicht vor einer Entführung zurückschrecken, um mit Jack Black einen (glänzend aufgelegten) prominenten Gaststar zu präsentieren.

Die Rahmengeschichte um das Comeback der Muppets dient als Hintergrund für drei emotionale Konflikte, die Regisseur James Bobin (Die Ali G Show) auf kindgerechte, man möchte ganz wertneutral sagen: naive Weise ausführt. So hegt Walter Selbstzweifel, ob er neben seinen Idolen auf der Bühne bestehen kann und tatsächlich ein echter Muppet ist, Mary möchte indes gerne mehr Zeit mit Gary verbringen, der scheinbar die Gesellschaft der Muppets vorzieht. Gary seinerseits ist aufgerieben zwischen den Wünschen seiner Freundin und denen Walters, den er als guter Freund natürlich unterstützen will. Ob er ein Mann oder ein Muppet sei, will Mary schließlich von ihrem Geliebten wissen und zwingt ihn zu einer Entscheidung. Selbstredend münden alle diese Probleme in runde Happy Endings, denn alle der Figuren durchlaufen einen positiven Prozess der Selbsterkenntnis – Jason Segel drückt das einmal singend aus: "I reflect on my reflection, and I ask myself the question: What's the right direction to go?"

Es ist freilich weniger die Story, die Die Muppets auch für ein älteres Publikum interessant macht, sondern – wie so oft – das Wie der Erzählung. James Bobin belebt den neusten Kinofilm der berühmten Puppen mit vielen schönen Details wie einer Trompete, aus der ein Tarzanschrei ertönt, oder einigen selbstreflexiven Momenten, die etwa Plot Points ankündigen, selbstironische Bezüge zu den Musiknummern herstellen oder Hollywoodstudios und Prominente auf die Schippe nehmen: "We all agreed, celebrities aren't people." Hinzu kommt der hauseigene Charme der ikonischen Muppets, die ihren charakterlichen Vorgaben treu bleiben, was sich etwa in der Liebe Miss Piggys zu Kermit äußert und bei den Älteren Kindheitserinnerungen wecken dürfte.

Als Highlights entpuppen sich schließlich die von Operette über Nirvana bis Hip Hop abwechslungsreichen, mit viel Verve inszenierten Musical-Einlagen, die mit lustigen Songtexten aufwarten ("Mary, will you marry me?") und ein gerüttelt Maß gute Laune verbreiten (zum Finale: "Life's A Happy Song"). Ebendies leisten auch die durchweg ins Bild passenden menschlichen Darsteller, allen voran Jason Segel und Amy Adams, die mit sichtlicher Spielfreude und überschwänglichen Gesten fast selbst zu Muppets werden. Mal ehrlich – kann es ein größeres Kompliment geben?

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-muppets