Toto der Held

Montag, 25. Juli 2011, ARTE, 20:15 Uhr

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Es ist nicht unüblich, dass achtjährige Jungs sich ein Leben als Geheimagent erträumen, doch der aufgeweckte Thomas, genannt Toto (Thomas Godet), ist zugleich von der Vorstellung besessen, als Baby mit seinem ungleich besser situierten Nachbarn Alfred (Hugo Harold-Harrison) verwechselt und somit um ein ihm angestammtes, erfolgreiches Leben betrogen worden zu sein. Als der wohlhabende Alfred später dann auch noch seine Angebetete Evelyne (Mireille Perrier) heiratet und er selbst ein unbefriedigtes Dasein als Landvermesser gefristet hat, nimmt sich Toto (Michel Bouquet), der als nunmehr 80jähriger seinen Lebensabend einsam und grantig in einem Altersheim verbringt, vor, endlich grausame Rache an seinem ewigen Feind zu nehmen, den er für schuldig daran hält, dass er selbst permanent vom Schicksal benachteiligt wurde ...

In drei Zeitebenen erzählt, in denen die Charaktere jeweils von drei verschiedenen, altersgemäß passenden Schauspielern verkörpert werden, präsentiert sich Toto der Held als komplex konstruiertes, jedoch schlüssig inszeniertes Lebensepos der kurzweiligen Art. Seinerzeit auch an den Kinokassen enorm erfolgreich gelingt es dem Film auf überaus charmante Weise und mit einem zauberhaften Ensemble, die bittere Retrospektive eines als gescheitert erachteten Lebens sozusagen in letzter Minute zu relativieren. Gleichermaßen heiter und melancholisch sowie mit einigen technischen Raffinessen transportiert Jaco Van Dormael damit die bewegende Botschaft, dass die eigenen Empfindungen einen gewaltigen Anteil am Schicksal haben und die Vision des eigenen Lebens letztlich viel bedeutsamer ist als alle schnöden Fakten.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/toto-der-held