Die Wahrheit über Männer

Wenn sie wüsste, was er denkt...

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Die arme Marie hat keine Ahnung, was Mads wirklich denkt. Er verstellt sich auch gerne aus Bequemlichkeit, heuchelt Gefühle oder Interesse, wenn es angebracht ist. Aber dann bekommt ein 37-jähriger Kollege einen Herzinfarkt und fällt ins Koma, und Mads wird schlagartig bewusst, dass er sein Leben ändern muss. Er kündigt den Job als Drehbuchautor für eine Fernsehserie, dann trennt er sich von Marie. Endlich will er an einem Spielfilm arbeiten können, der die Menschen aufwühlen und ihnen die Augen für die Wahrheit öffnen soll. Und er will die große Liebe finden. Er googelt nach Lærke und trifft sich mit ihr. Doch die 33-Jährige (Rikke Louise Andersson) hat sich verändert, sie ist längst Mutter und leidet an Depressionen.

Der 1972 geborene dänische Regisseur Nikolaj Arcel (Die Königin und der Leibarzt) nennt diese laut Untertitel anti-romantische Komödie" einen "etwas entmystifizierenden Film" über die Männer seiner Generation und ihre wahren Gedanken. Mads bereut erst, Marie verlassen zu haben, als er sich in seiner Wohnung arg verloren vorkommt. Im Grunde scheut er die Überraschungen im Leben und als Drehbuchautor liegen ihm die immergleichen dramaturgischen Konstruktionen der Fernsehfilme, auch wenn sie ihn langweilen. Arcels Komödie verteilt satirische Seitenhiebe auf den standardisierten Entwicklungsprozess von TV-Filmen, der mit Kreativität nicht mehr viel zu tun hat.

Mads sehnt sich nach echten Gefühlen, nach Wahrheit, muss aber feststellen, dass auch das Leben nicht immer so viel origineller ist, als seine Drehbuchdialoge. Und wenn sich ein echtes Gefühl einstellt, muss es noch lange kein angenehmes sein. Als wäre sein Leben ebenfalls ein Film, tauchen darin wiederkehrende Motive auf. Mads erlebt eine neue Einweihungsparty, auf der er sich nicht wohlfühlt. Aber diesmal hat seine 19-jährige Freundin Julie (Rosalinde Mynster) keine Lust mehr auf ihn. Der Held steht am Beginn eines krisenhaften Verlaufs.

Zum verhaltenen, durchwachsenen Humor mit seiner schmerzhaften Ehrlichkeit passen die kühlen, bläulichen Farbtöne und die vielen winterlichen Bilder des Films. Der ernste, nachdenkliche Mads ist nur im Voice-Over gesprächig. Seine lebhafte Gedankenwelt spiegelt sich in Rückblenden und Tagträumen. Die ironische männliche Selbstbespiegelung lässt den Helden der Geschichte oft in Sackgassen laufen, sich vergeblich abmühen. Dabei meidet der Film einen glatten Verlauf und folgt selbst wiederkehrenden Gedanken des Ich-Erzählers. Das lässt ihn gegen Ende ein wenig ermüdend wirken, macht einem aber auch auf komische Weise bewusst, wie viel Zeit der Mensch im Zwiegespräch mit sich selbst verbringt und dabei Gedanken wälzt, die sich später mal als überbewertet erweisen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-wahrheit-ueber-maenner