Zettl

Bissige Satire im Schatten von Schimmerlos & Co.

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Zettl beginnt mit einer gesprochenen Einführung in das Geschehen: Aus dem Off wird die Geschichte von Baby und Star-Fotograf Herbie bis dato weitererzählt und von animierten Bildern begleitet – eine gelungene Verbindung der beiden Klatschreporterportraits, die auf den Grundton des Films vorausdeutet: etwas gezwungen und gleichzeitig humorvoll bis bissig, jedoch immer noch im Schatten der Erfolgsfigur Schimmerlos. Nach verschiedenen Abenteuern, so wird berichtet, sind Baby und Herbie in der Hauptstadt gelandet und sollten, gefördert vom Schweizer Financier Doucier (Ulrich Tukur), die Zeitschrift The New Berliner aus dem Boden stampfen. Kurz nach seiner Ankunft in Berlin ist Baby allerdings bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Somit wird ein neuer Chefredakteur gesucht.

An dieser Stelle der Entwicklungen sieht Schimmerlos‘ Chauffeur Zettl seine Zeit gekommen: jung, hungrig und trainiert auf der Journalistenschule – wer soll da besser geeignet sein für den Job? Mit Charme, aber auch einer gehörigen Portion Durchtriebenheit überzeugt er Sponsor Doucier davon, dass er der Mann für The New Berliner ist. Und mit der richtigen Mischung aus Gossip und Twitter, rumor und the talk of the town schafft es Zettl mit seinem dream team auch binnen weniger Tage, die Machtverhältnisse in Berlin kräftig durcheinander zu schütteln.

Da ist der todkranke Kanzler (Götz George), über dessen Zustand keiner so recht Bescheid weiß, oder die transsexuelle Oberbürgermeisterin (virtuos gespielt von Dagmar Manzel), welche die Kanzlernachfolge antreten will und kann, hätte sie nicht das ein oder andere Geheimnis. Der schwäbelnde Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern (wie immer herrlich überzogen als Schwabe: Harald Schmidt) hat ebenfalls Kanzlerambitionen, lebt aber einfach zu gern seinen Sexualtrieb aus, was wiederum der bayrische Gewerkschaftssekretär Ludwig (Christoph Süß) für sich nutzen kann. Mit nur wenigen Figuren, ein bisschen Klischee und viel Dialekt-Witz spinnen Dietl und Koautor Benjamin von Stuckrad-Barre ein ausgeklügeltes Netz der Reichen und Mächtigen.

Über allen steht jedoch die Hauptfigur, was nicht nur der Titel, sondern auch die Filmplakat-Serie deutlich macht. Herbigs Zettl ist die Galionsfigur des Films, und Herbig trägt diesen auch zu einem Großteil – zusammen mit Karoline Herfurth, die gekonnt den Figurencocktail aus Unschuld, Naivität und Aufwärtsstreben spielt. Unwiderstehlich mimt Herbig den Bayern Zettl, der keine Gelegenheit ungenutzt lässt, mit Manipulation und einer ganzen Menge Charme den Direktaufstieg vom Fahrer zum Chef-Reporter zu wagen. Er setzt die Pointen wie natürlich um, so dass man nicht nur der Figur, sondern auch dem Darsteller alles glaubt, "sogar die Wahrheit".

Dietls Satire lebt von seinen Figuren, doch insgesamt fehlt es dem Film an Stringenz und einem flüssigen Plot. Zu arrangiert, zu künstlich wirken die Entwicklungen und Wendungen der Handlung. Vielleicht sollte da auch zu viel an Stoff in einen einzigen Film, was auch auf einen erneuten Mehrteiler hätte aufgeteilt werden können. Für Herbig-Fans einerseits und Liebhaber der Achtziger Jahre-Serie andererseits jedoch ist der Film ein Muss.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/zettl