My Week with Marilyn

Nobody trifft schönste Frau der Welt

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Marylin Monroe hat gerade zum dritten Mal geheiratet und ihre eigene Produktionsfirma gegründet, als sie in London landet. Die Zusammenarbeit mit dem berühmten Charakterdarsteller Laurence Olivier (Kenneth Branagh) bietet ihr die Chance, noch stärker als seriöse Schauspielerin wahrgenommen zu werden. Das von Ängsten und Selbstzweifeln geprägte Leben des Sexsymbols scheint sich endlich einmal positiv zu entwickeln, aber in Wahrheit geht es bergab. Olivier verzweifelt an den Launen der Diva, die nichts Besseres zu tun hat, als das Notizbuch ihres Mannes zu lesen, des berühmten Schriftstellers Arthur Miller (Dougray Scott). Der fühlt sich von der Kindfrau ausgesaugt, kann nicht mehr arbeiten und bereut die Heirat. Es kommt zum Streit, Miller reist zurück nach Amerika. Kaum ist er weg, findet Marilyn Gefallen an dem jungenhaften Colin Clark (Eddie Redmayne), einem 23-jährigen, so süß und unschuldig wie es der Filmstar in seinen guten Momenten ebenfalls sein kann. Mit ihm spricht sie sich aus, geht in freien Stunden auf Sightseeing-Tour und badet nackt im See.

Entgegen dem Titel behandelt My Week with Marilyn nicht nur das kurze Abenteuer, von dem unklar bleibt, ob es platonische Liebe, bloße Spielerei oder verzweifelte Suche nach ein wenig Aufmerksamkeit war. Einen ebenso großen Raum widmet der konventionell gebaute und inszenierte Film den Spannungen während der Dreharbeiten. Hier betont er über weite Strecken die Vorstellungen, die man sich so von einer launischen Diva macht: exzessive Verspätungen, ebenso ausschweifender Alkohol- und Tablettenkonsum und eine Anfälligkeit für Wehwehchen jeglicher Art, die wohl nicht nur einen Ordnungsfanatiker wie Laurence Olivier in den Wahnsinn getrieben hätten.

Auch sonst hat es den Anschein, als wollten Regisseur Simon Curtis und Drehbuchautor Adrian Hodges so viel wie möglich aus Marilyns sonstigem Leben in die kurze Zeitspanne packen: die Lust an ihrer Wirkung auf Männer, aber auch das Hadern mit der von ihr geschaffenen Kunstfigur und die ständige Suche nach einer als Kind vermissten Anerkennung. Der Film geht dabei leider nicht in die Tiefe, sondern reißt lediglich die Themen an, die das öffentliche Bild von "MM" sowieso prägen.

Was bleibt, ist die kongeniale Einfühlung von Michelle Williams in ihre Figur. Die Schauspielerin ahmt die Bewegungen und Gesten der großen Stilikone derart perfekt nach, dass zuweilen der Eindruck entsteht, ihr gelänge die einzigartige Kombination von Berechnung und Unschuld sogar besser als dem Original. Das gilt auch für die wenigen gelungenen Takes während des Films im Film, in denen ihre umwerfende Leinwandpräsenz dem Regisseur den Atem raubt. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, sich auf diesen Aspekt einer widersprüchlichen und facettenreichen Arbeitsbeziehung zu konzentrieren als auf die wenig ausbaufähige Konstellation "Nobody trifft schönste Frau der Welt". Denn die schwierigen Seiten der Marilyn Monroe waren zugleich ihre künstlerisch wertvollsten.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/my-week-with-marilyn