Ich - Einfach unverbesserlich 2 (2013)

"Viel Krawumm und wenig Herz"

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Oder vielleicht doch? Die Charakterentwicklung der Hauptfigur stand im vorhergehenden Film stark im Zentrum. Trotz seiner Boshaftigkeit versteckte sich in Gru ein einsamer und vor allem verletzlicher Mann. Im Laufe des Films gelang es ihm, sich seine Schwachstellen einzugestehen, Gefühle zuzulassen und Beziehungen einzugehen. Diese ganz persönliche, wenn nicht gar psychologische Agenda bildete eine interessante Nebenhandlung, die in der Fortsetzung schlichtweg fehlt. Zwar hadert Gru nun mit seinem Single-Dasein, doch der Schwerpunkt der Geschichte liegt an anderer Stelle. Die AVL (Anti-Verbrecher-Liga) möchte den ehemaligen Meisterdieb als Spion einsetzen, um einem fiesen Bösewicht das Handwerk zu legen. Dazu wird Gru die überdrehte Agentin Lucy an die Seite gestellt, die später wenig überraschend zu seinem 'Love Interest' wird. Während ihrer gemeinsamen Versuche, dem "Macho Man" den Raub einer gefährlichen Formel nachzuweisen, die jedwede Kreatur in ein aggressives Monster verwandelt, fliegen mächtig die Fetzen. Das ist zwar irgendwie aufregend, doch es fehlt der Geschichte an eben jenem Tiefgang, der im ersten Teil unsere Herzen gewonnen hat. Wir werden deutlich weniger emotional an die Figuren des Films gebunden und bangen daher nicht mehr so stark um ihr Wohlergehen. Zudem fehlt der Geschichte ein Subplot auf der Beziehungsebene, der dem Konzept Substanz verleihen könnte. Ohne jenen wirkt Ich - Einfach unverbesserlich 2 wie ein Actionfilm für Kinder: Viel Krawumm, aber wenig Herz.

Schon Ich – Einfach unverbesserlich war turbulent, um nicht zu sagen brutal. Insbesondere die Minions, die uns durch ihre naive Fröhlichkeit umgehend ans Herz wachsen, werden auf jede erdenkliche Weise malträtiert, freilich ohne jemals einen bleibenden Schaden davon zu tragen. Ihre Unbesiegbarkeit in Anbetracht der vielfältigen Lebensbedrohungen erinnert ein wenig an Comic-Stehaufmännchen wie Tom und Jerry. Ich – Einfach unverbesserlich 2 enthält nun kaum mehr eine Szene, in der nicht wenigstens einer Figur irgendeine Form von Schaden zugefügt wird. Die Folgenlosigkeit dieser Gewaltakte ist nicht nur pädagogisch zweifelhaft, sondern in Einzelfällen auch schockierend. Insbesondere das Serum, das die Minions in allesfressende Monster verwandelt, ist ein echtes Schockelement. Wenn die ehemals friedvollen Männchen plötzlich mit gebleckten Zähnen und offenen Mäulern Gru bis auf die Spitze eines Turmes nachjagen, ist das ganz schön nervenaufreibend. Da hilft es auch nichts, dass Grus Helferlein nun lila statt gelb sind und ihnen die Haare "lustig" zu Berge stehen. Zumal das Regie-Duo Pierre Coffin und Chris Renaud die Monster-Minions auch dramaturgisch als "Schocker" inszeniert: Die Musik baut Spannung auf und - zack – springt ein wildgewordener Minion ins Bild.

In diesem Zusammenhang stellt sich einmal mehr die Frage, ob ein Animationsfilm immer auch ein Kinderfilm ist. Ich – Einfach unverbesserlich 2 wird von Beginn an durch Action dominiert. Schon die erste rasende Kamerafahrt über eine Eislandschaft ist nahezu schwindelerregend, zumal wir sie hier in 3D erleben. Der Fokus der Geschichte liegt diesmal deutlich weniger auf den drei Mädchen und ihrer anrührenden Suche nach einer Familie, sondern auf den turbulenten Erlebnissen Grus. Und auch der Humor, bei dem der Zuschauer des Öfteren um die Ecke denken muss, wird sich wohl einem Kinderpublikum nur schwer erschließen. Immerhin bieten Namen wie "Ramspopo" immer noch ein paar primitive Lacher. Ansonsten bleibt den Kleinen wohl nur die Schadenfreude über die tollpatschigen Minions und andere verunglückende Figuren.

Dem Erwachsenen hingegen wird gute Unterhaltung geboten, die ihren Höhepunkt in den musikalischen Darbietungen der Minions zu I swear und YMCA findet, bei denen wirklich kein Auge trocken bleibt. Von diesem starken Finale abgesehen aber zieht sich Ich – Einfach unverbesserlich 2 zuweilen leider stark in die Länge. Trotz aller Turbulenzen mag sich keine rechte Spannung entfalten. Denn Action alleine macht eben noch keinen guten Film. Nur wenn wir um die Protagonisten bangen oder mit ihnen mitfiebern können, bedeutet Tempo auch gleichzeitig Spannung. So aber plätschert dieser Film an uns vorbei, entlockt uns ein paar erquickte Lacher und gerät schnell wieder in Vergessenheit.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/ich-einfach-unverbesserlich-2-2013