Magic Mike

"He works hard for the money..."

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Acht Monate lang hat Channing Tatum im Alter von 18 und 19 Jahren selbst als Stripper gearbeitet und wollte seither über diese Zeit einen Film drehen. Er erwähnte diese Idee gegenüber Steven Soderbergh, der sich begeistert zeigte. Zusammen mit Channing Tatums Produktionspartner Reid Carolin, der letztlich auch das Drehbuch geschrieben hat, und dem Produzenten Gregory Jacobs ist mit Magic Mike nun ein Film entstanden, der für Channing Tatum maßgeschneidert ist – und bestens unterhält.
Auf den ersten Blick ist Mike (Channing Tatum) ein toller Kerl: Schöne Frauen liegen ihm zu Füßen, er fährt ein schickes Auto und kommt mühelos in jeden Club. Es ist daher wenig verwunderlich, dass ihn der 19-jährige Adam (Alex Pettyfer) bewundert. Schließlich hat dieser infolge einer Prügelei mit seinem Trainer gerade sein College-Football-Stipendium verloren. Erstaunt nimmt er zur Kenntnis, dass Mike sein Geld als Stripper in dem Club Xquisite von dem gerissenen Dallas (wunderbar schmierig: Matthew McConaughey) verdient. Als einer der Tänzer ausfällt, springt Adam ein und ist zunehmend fasziniert von dieser Welt. Dagegen erkennt Mike, dass dieses Leben ihn seinem Traum von einer eigenen Möbeldesign-Firma nicht näher bringen wird.

In der Rolle des charmanten, erfolgreichen und zunehmend zweifelnden Strippers erweist sich Channing Tatum als idealer Hauptdarsteller: Als magischer Mike begeistert er mit gutem Aussehen, einem ansehnlichen Körper und seinem Tanzstil sein weibliches Publikum. Gleichzeitig ist er aber sympathisch genug, dass ihn auch Männer mögen. Daher überzeugt er in dieser Rolle, in der ihm sicher seine persönlichen Erfahrungen zugute kommen. Aber auch die übrige Besetzung passt sehr gut – allen voran ist Matthew McConaughey mit überzogener Schmierigkeit und Selbstverliebtheit äußerst sehenswert.

Insbesondere in der ersten Hälfte ist Magic Mike daher ein Film, der sehr viel Spaß macht. In Mikes Welt geht es nur um das Hier und Jetzt. Seine Kollegen und er verdienen im Moment gutes Geld und genießen ihr Leben. Ausführlich zeigt Steven Soderbergh die Abläufe bei den Strips, auch die ersten Geh-Versuche von Adam – nur "The Kid" genannt – auf der neuen Bühne sind herrlich amüsant. Dabei setzt Steven Soderbergh die Körper der Stripper (außerdem gespielt von Matt Bomer, Kevin Nash, Adam Rodriguez und Joe Manganiello) hervorragend in Szene und fokussiert wie schon in Haywire die Bewegungen. Konsequent werden hier die Männer als Objekte gezeigt, sie sind diejenigen, die angeschaut werden, während Frauen die Schauenden sind. Damit verkehrt Steven Soderbergh die vorherrschenden Geschlechterrollen im amerikanischen Kino, ohne sie komplett zu übertragen.

Auch den Lebensstil der Stripper fängt Steven Soderbergh, der unter seinen bekannten Pseudonymen Peter Andrews und Mary Ann Bernard auch für Kamera und Schnitt verantwortlich ist, gelungen ein und schafft damit eine dichte Atmosphäre: die Bilder auf der Bühne im Club sind gestochen scharf, mit viel Lichtern und poppig-knalligen Farben; der Blick hinter der Bühne ist hingegen fast dokumentarisch. Hier bleibt die bewegliche Kamera auf Distanz und beobachtet die Vorbereitungen der Stripper, das Auftragen von Bräunungscreme, Aufpumpen der Muskeln und Nähen der Tangas. Die Dialoge wirken fast improvisiert, dadurch wird der Eindruck der Authentizität noch untermalt. Dagegen weisen die Sequenzen außerhalb des Clubs, in denen Mikes Tages-Job auf einer Baustelle sowie die Zeit, die er mit Adam und dessen Schwester Brooke (Cody Horn) verbringt, zu sehen ist, dank eines Double-Straw-Kamerafilters einen warmen, gelblich-braunen Ton auf. Hier wird schon innerhalb des vergnüglichen Anfangs angedeutet, dass das Leben, das für die meisten Realität ist, für Mike eher eine Sehnsucht ist.

Nach dem sehr gelungenen Anfang verändert sich der Ton von Magic Mike im weiteren Verlauf – die Komödie wird zum Drama. Wenngleich es wohltuend ist, dass dieser Film weder einen moralischen Gestus noch eine eindeutige "Strippen-ist-falsch"-Botschaft hat, erweist sich der dünne Plot des Drehbuchs von Reid Carolin zunehmend als Schwachpunkt. Häufig nähert sie die Kamera den Gesichtern von Mike, Adam und Brooke, erforscht sie aus der Nähe. Aber dort gibt es nur wenig zu entdecken. Daher ist Magic Mike letztlich wie ein guter Strip: Schön anzusehen, verführerisch und unterhaltsam – bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich jedoch als lediglich kurzweiliges Vergnügen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/magic-mike