3 Zimmer/Küche/Bad

Rein ins WG-Leben

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Im Zentrum steht der angehende Fotograf Philipp (Jacob Matschenz), der sich in Berlin mit Assistenzen und Praktika durchschlägt, sich immer neu auf Kunsthochschulen bewirbt und von der großen Foto-Karriere träumt. Nebenbei hält er sein Leben und das seiner Freunde mit seiner Kamera fest. In Berlin wohnt außerdem seine Schwester Wiebke (Katharina Spiering), sein großer, nicht eingestandener Schwarm, Dina (Anna Brüggemann), Thomas (Robert Gwisdek) und noch ein paar Leute mehr. Und auch Philipps Freundin Maria (Aylin Tezel) zieht es von Freiburg nach Berlin.

3 Zimmer/Küche/Bad präsentiert zunächst einmal eine einzige große Beziehungskiste, in der die Figurenkonstellation immer wieder neu gemischt oder durcheinandergewirbelt wird. Draufgänger Michael (Alexander Khuon) lernt über den waschfähigen Top-Lader von Wiebke die Clique um Philipp kennen, bandelt auch zuerst mit Wiebke an, schläft dann mit Thomas´Freundin Jessica (Alice Dwyer) und beginnt schließlich eine Beziehung mit Dina, die kurz darauf schwanger wird. Thomas, Ex-Mitbewohner von Philipp, zieht zunächst mit Jessica zusammen, vergräbt sich dann hinter seinem Computer und lebt trotz Wohngemeinschaft ein Einsiedlerleben, telefoniert mit Philipps Schwester Swantje (Amelie Kiefer) und geht dann doch mit ihr in den Urlaub.

Über allen Liebesbeziehungen und Liebeleien steht jedoch immer die Frage: Was wird aus Philipp und Dina? Einerseits weiß man sofort, das wird nichts, Philipp wird für Dina immer "mein allerbester Freund" bleiben; andererseits könnte es dieses Mal – und immer wieder neue Male – ja doch anders laufen … Und dann wünscht man Philipp einfach, von Dina wegzukommen. Als es am Weihnachtsabend in Philipps Familie zur Aussprache zwischen Eltern und Kindern kommt, stürzt nicht nur Philipp in eine Krise, für die er den Frühling und den Sommer braucht, um sie zu überwinden. Und es kommt noch einiges mehr ans Licht.

3 Zimmer/Küche/Bad ist voll von witzigen Dialogen, die weder abgenutzt noch altklug, weder billig noch lächerlich wirken. Sie passen stets zu hundert Prozent auf ihre Figuren, kommen an unerwarteten Stellen und machen aus dem Film eine liebenswerte Komödie. Das ist die größte Stärke des Films. Den Epilog am Ende hätte es jedoch nicht gebraucht; er nimmt dem Film ein wenig von seiner ansonsten sehr überzeugenden Konstruktion.

Besonders schön sind auch die Montagesequenzen des Films, ein eigentlich sehr klassisches – und häufig genug schlecht umgesetztes – Mittel, um Zeitsprünge zu überbrücken. In 3 Zimmer/Küche/Bad sind sie stets gelungen, zeigen die Verbindungen zwischen den Figuren auf, ihre Freude wie ihr Leid im Lauf der Zeit und werden stets von passender Musik begleitet, die dem Film – trotz aller gezeigten Schicksalsschläge – eine unbeschwerte Leichtigkeit verleihen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/3-zimmerkuechebad