Der Exorzist

Kollabierende Zuschauer

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Der alte, kranke Jesuit Pater Lancaster Merrin (Max von Sydow), der im Irak bei einer Ausgrabung eine seltsame kleine Statue mit offensichtlich machtvoll düsterer Ausstrahlung findet, sein Ordensbruder Pater Damien Karras (Jason Miller), dessen Leben und Glauben längst kräftig ins Wanken geraten ist, und die 12jährige Regan (Linda Blair / Eileen Dietz), Tochter der alleinerziehenden Schauspielerin Chris McNeil (Ellen Burstyn), treffen in Georgetown, Washington D. C. in der ungeheuerlichen Mission zusammen, einen Exorzismus bei dem jungen Mädchen durchzuführen, dessen Körper und Seele offensichtlich vom Teufel besessen sind, wie die klerikalen Experten höchst widerwillig vermuten ...

Für zehn Oscars nominiert, von denen der Film letztlich die beiden für das Beste Drehbuch und den Besten Sound für sich gewinnen konnte, wurde Der Exorzist neben anderen Auszeichnungen 2010 in das National Film Registry der USA aufgenommen und galt seinerzeit nach Francis Ford Coppolas Der Pate / The Godfather von 1972 als der erfolgreichste Film der Vereinigten Staaten überhaupt. Ob als harsche Kritik an der damaligen US-amerikanischen Politik und Gesellschaft, als abscheuliche Absage an eine nivelliert-nüchterne Religiösität oder schlicht als erschütternder Grusel-Horror stellt dieser Klassiker des Genres auch beinahe vierzig Jahre nach seiner denkwürdigen ersten Laufzeit in den Metropolen Amerikas mit bereits morgendlichen Warteschlangen vor der Abendkasse, gewalttätigen Turbulenzen rund um die Kinos sowie erbrechenden und kollabierenden Zuschauern auch heute noch ein sehenswertes Stück spektakuläre Kinogeschichte dar.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-exorzist