Die Köchin und der Präsident

Politik geht durch den Magen

Eine Filmkritik von Melanie Hoffmann

Doch der wahre Kampf beginnt erst. Zwar bekommt Hortense einen Helfer an die Seite gestellt und freundet sich mit Nicolas auch recht bald an, doch das kann gegen die Neider nicht allzu lange helfen. Die Zentralküche des Elysée-Palastes sieht sich in ihren Kompetenzen beschnitten. Da der Präsident sich die neue Köchin ganz explizit gewünscht hat, steht er natürlich voll und ganz zu ihr. Ja, immer öfter schleicht er sich sogar abends oder nachts in ihre Küche und sinniert mit Hortense gemeinsam über die Köstlichkeiten der französischen Küche. In der Zentralküche gibt man ihr bald den Namen "du Barry" in Anspielung auf die Mätresse Ludwigs XV. Nach außen gibt sich Hortense stark und standhaft, doch wie lange kann sie den Anfeindungen noch standhalten?

Regisseur Christian Vincent ist dem breiten deutschen Publikum noch nicht besonders bekannt. Dies könnte sich mit diesem bezaubernden Film ändern. Die Geschichte orientiert sich an der Lebensgeschichte von Danièle Mazet-Delpeuch, die von 1988 bis 1990 für François Mitterrand im Elysée-Palast kochen durfte. Der authentische Hintergrund wird durch das natürliche Spiel der fabelhaften Catherine Frot unterstrichen. Sie agiert so unbeschwert, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzusehen. Der Humor und die Pointen sind immer genau richtig dosiert,so dass der Film als Komödie leichtfüßig bleibt, aber nicht seinen Standpunkt aus den Augen verliert.

Haute Cuisine gibt uns einen großen Einblick in die französische Lebensart. Man merkt schnell, dass auch die vermeintlich "einfache Küche" sehr aufwendig ist. Gänseleberpastete, Trüffel, Saucen... und erst die ganzen Desserts! Eindeutig macht der Film auch richtig Appetit. Das Essen steht bei unseren Nachbarn deutlich im Vordergrund des gesellschaftlichen Lebens. Ein festlicher Abend wird durch ein langes Menü ausgedehnt, denn mit gutem Essen und dem passenden guten Wein bringt der Gastgeber seine Wertschätzung gegenüber seinen Gästen aus. So zeigt es sich, dass zu guter Politik auch die gute Bewirtung von Staatsgästen gehört. Hortense ist natürlich auch für deren Speisen zuständig. Die Zentralküche fühlt sich immer mehr im Hintertreffen, macht Politik gegen die Köchin und legt ihr eine Menge Steine in den Weg.

In der momentanen Flut französischer Filme in deutschen Kinos – alle scheinen es dem Erfolgsfilm Ziemlich beste Freunde gleichtun zu wollen – ist Haute Cuisine sicherlich einer der besseren. Catherine Frot ist in Frankreich sehr bekannt und unglaublich beliebt. Ihre Natürlichkeit auf der Leinwand gibt dem Geschmack unserer Nachbarn recht. Seit Odette Toulemonde und Das Mädchen, das die Seiten umblättert ist es um sie still geworden in deutschen Arthouse-Kinos. Mit Bowling startet in Kürze ein weiterer Film mit ihr und wir erwarten auch diesen mit Spannung. Unseren Geschmack hat dieser Film voll getroffen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-koechin-und-der-praesident