Outrage Beyond

Banzai! Kitano haut sie alle um.

Eine Filmkritik von Festivalkritik Venedig 2012 von Beatrice Behn

Beide Filme erzählen eine ganz klassische Yakuza-Story. Nachdem Otomo (Takeshi Kitano) nach einem regelrechten Schlachtfest in Outrage im Gefängnis gelandet ist, hat sich der Sanno Clan weiter verbreitet und ist mächtiger als zuvor geworden. Dies missfällt der Polizei – nicht weil die Yakuza Gangster sind, sondern weil das stetige Wachstum die diffizile Balance der Gesellschaft stören könnte. Denn Ausgeglichenheit bedeutet Demokratie (zumindest an der Oberfläche) und diese ist wichtig in der japanischen Gesellschaft – unten drunter darf es natürlich gerne brodeln. Nur überkochen darf es nicht. Brodeln tut es auch innerhalb des Sanno-Clans, denn das Gangsterdasein hat eine Neuerung erfahren. Die Yakuza 2.0 haben übernommen und setzen lieber auf Hedgefonds und Aktienkurse. Da kommen die alten Hasen natürlich nicht mit und auch die Yakuza-Traditionen werden durch die neue Art von Kapitalismusgangsterei untergraben. Alt gegen neu ist also der eigentliche Konflikt, der hier ausgetragen wird. Wer Kitano kennt, der weiß schon, wie das ausgehen wird - blutig nämlich.

Der Film lässt sich reichlich Zeit seine Geschichte zu etablieren. In der ersten Stunde des knapp zweistündigen Werkes bekommt man erst einmal in aller Ruhe das "who is who" ausgebreitet - was angesichts der vielen Charaktere und ihrer geheimen und nicht ganz so geheimen Querverbindungen und Eigeninteressen gar nicht so einfach ist. Geduld und Aufmerksamkeit sind gefordert, belohnt wird man dann aber doch noch. Denn wie schon der Vorgängerfilm, so ist Outrage Beyond kein Meisterwerk epischer Breite, sondern will einfach Spaß haben (und machen). Und das heißt bei Kitano Ironie, intelligente Versteckspiele und besonders viel und wenn möglich besonders originelles Töten. An die Masse und Klasse des Schlachtfestes von 2010 kommt der Film nicht heran, doch dennoch bietet er genau die Art von Unterhaltung, die man erwartet. Nicht mehr und nicht weniger. Und erinnert dabei irgendwie an die Zeiten, in denen man als Kind im Kino oder vor dem Fernseher saß, um sich Terence Hill und Bud Spencer anzusehen und einfach eine gute Zeit zu haben.

Was diese Art von Film hier in Venedig im Wettbewerb verloren hat, ist dabei nicht ganz klar. Mit den restlichen Filmen kann er keinesfalls mithalten – nicht aus Qualitätsgründen, Kitano ist schließlich ein Meister seines Fachs. Und nichts ist schwieriger, als gute Arbeit so nahtlos anzupassen, dass dem Zuschauer nicht einmal auffällt, wie genial seine Bilder eigentlich konstruiert sind. Nur ein einziges Mal zeigt Kitano hier die Tiefe seines Könnens und sein Verständnis dafür, was für unglaubliche Möglichkeiten der Film zu bieten hat. Einer der Morde findet in einer unglaublich lauten Spielhölle statt. Kitano selbst rammt dem Opfer ein Messer in den Bauch. Der Ton wird augenblicklich ausgeblendet, übrig bleibt nur eine kleine Sinfonie aus viszeralen Schmatzgeräuschen, die das Messer zusammen mit dem Blut und dem Fleisch des Opfers spielt. An dieser Stelle verspürt der Kenner der Materie dann doch ein wenig Wehmut nach Kitanos Meisterhand, doch bis er die wieder einsetzt, hat man eben erstmal etwas Spaß mit seinen Bud Spencer-Yakuza Filmen.

(Festivalkritik Venedig 2012 von Beatrice Behn)

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/outrage-beyond