7 Psychos

Sieben Psychopathen auf der Metaebene

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Marty ist Drehbuchautor. Für sein neuestes Buch hat er sich ein ganz besonderes Konzept überlegt: Es soll um sieben Psychopathen gehen. Leider fällt ihm partout nicht mehr als einer ein. Sein bester Freund Billy (Sam Rockwell), seines Zeichens erfolgloser Schauspieler und Hundedieb, dient ihm als primäre Inspiration. Doch Martys Materialsuche nach den Geschichten durchgedrehter Mörder gestaltet sich erfolgreicher als ihm lieb ist, denn plötzlich ist er von sehr realen Psychopathen umgeben. Allen voran der Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson), dessen innig geliebter Schoßhund Bonny von niemand anderem als Billy gekidnappt wurde. Charlies Wut richtet sich zunächst gegen Billys undurchsichtigen Chef Hans (Christopher Walken), der jedoch vollkommen zu Unrecht in den Rachefeldzug des schießwütigen Psychopathen mit hineingezogen wird. Nicht nur die Grenzen zwischen Realität und Fiktionen beginnen nun zu verschwimmen. Marty ist sich auch zunehmend unsicher, mit wie vielen Psychopathen er es hier eigentlich zu tun hat.

Während die Hauptfigur Schwierigkeiten hat den Durchblick zu bewahren, befindet sich der Zuschauer in einer überlegenen Position. Martin McDonagh grenzt Martys Drehbuchentwürfe deutlich von der restlichen Handlung ab, indem er den Sequenzen eine überzogene Slasher-Ästhetik verleiht. Die kurzen Ausflüge in den Film-im-Film sind derart unterhaltsam, dass es dem Gesamtwerk nicht geschadet hätte, dieses Element noch stärker auszubauen. Martys und Billys Arbeit am Drehbuch kulminiert in einem actionreichen und blutigen Finale, das klar den Höhepunkt von McDonaghs Film bildet und sein eigenes Ende geradezu lahm erscheinen lässt.

Ganz klar kann aber auch das Kinopublikum die verschiedenen Filmebenen nicht voneinander trennen. Das Buch, das ebenfalls von Martin McDonagh stammt, bietet genügend Twists und Enthüllungen, die den Zuschauer immer wieder verwirren. Letztendlich ist es auch nicht zielführend, die einzelnen Geschichten klar voneinander zu trennen und in Realität und Fiktion zu unterscheiden, denn im Grunde geht es 7 Psychos genau um den Irrwitz dieses Unterfangens. Die Arbeit am Drehbuch und die Geschehnisse in McDonaghs Film bedingen sich gegenseitig auf eine nicht klar zu definierende Weise. Wenn Marty und Billy über Genre-Regeln diskutieren, entsteht eine Metaebene, die an die Scream-Filme erinnert. So kann auch der politisch unkorrekte Humor funktionieren. Indem der Film beispielsweise seine eigene zweifelhafte Frauendarstellung durch den Bezug auf Martys Drehbuch thematisiert, schafft er eine ebenso kluge wie unterhaltsame ironische Distanz.

Dass sich 7 Psychos selbst nicht ernst nimmt, ist von der ersten Minute an klar, wenn Martin McDonagh seinen Film mit einem Tarantino’esquen Dialog einleitet, in dem sich zwei Auftragskiller über Hinrichtungen durch Schüsse in den Augapfel unterhalten. Diese Art trockenen und durchaus gewaltverherrlichenden Humors zieht sich durch das gesamte Werk. Dabei entwickeln gerade die Hauptfiguren große Komik, in dem sie bewusst mit den Stereotypen des Gangsterfilms spielen. Colin Farrell kann hierbei als zart besaiteter und unfreiwilliger Held viele Sympathiepunkte sammeln, während Sam Rockwell in der Rolle des durchgeknallten Billy einmal mehr sein komödiantisches Talent voll ausschöpft. Die durchgehend treffende Besetzung wird komplettiert durch Tom Waits als tierlieber Psychopath Zachariah und kann darüber hinaus mit einer Gastrolle der Precious-Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe aufwarten.

7 Psychos ist ein großes Vergnügen für alle Genrefans. Durch die fast schon zu auffällige Metaebene grenzt sich Martin McDonagh erfolgreich von der Masse ähnlich gestrickter Gangsterfilme ab und verleiht seinem Film zudem noch ein wenig Anspruch. Indem er gesellschaftlich relevante Themen geschickt in einer scheinbar platten Geschichte versteckt, kann er sein Publikum nicht nur unterhalten, sondern auf sehr subtile Weise auch mit der Nase auf die eine oder andere Frage nach Gleichberechtigung von "Schwarzen" und "Weißen" oder der Legitimität von Gewalt und Rache lenken. Auch wenn insbesondere im letzten Drittel der Film-im-Film als die spannendere Alternative erscheint, ist 7 Psychos von Martin McDonagh ein ebenso sehenswerter Film geworden.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/7-psychos