Die Croods

Das Actionabenteuer unter den Animationsfilmen

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Zum Glück gibt es seine pubertierende Tochter Eep, die – wie jeder Teenager – gegen die elterlichen Regeln rebelliert und in diesem Zusammenhang über den Teller-, oder besser gesagt Höhlenrand schaut. Dabei lernt sie den modernen Menschen Guy kennen, der nicht nur Feuer machen kann, sondern auch vom bevorstehenden Weltuntergang weiß. Eep ist im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme für den jungen Mann und als die ersten apokalyptischen Anzeichen auftreten, überredet sie ihre Familie mit Guy gemeinsam ins "Morgen" zu ziehen. Vater Grug ist weder von der Schwärmerei seiner Tochter, noch von den neumodischen Ideen ihres Angebeteten überzeugt und fühlt sich in seiner Rolle als Familienoberhaupt bedroht. Doch für Streitereien bleibt keine Zeit, denn Erdbeben und Vulkanausbrüche ziehen den Reisenden im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weg.

Die Croods ist ein sehr temporeicher Film. Die Bedrohung, die vom Ende der Welt ausgeht, erzeugt Spannung von der ersten bis zur letzten Minute und kann kleine wie große Zuschauer mitreißen. Für Kinder unter sechs Jahren dürfte die abenteuerliche Flucht vor herabstürzenden Felsklumpen und schlecht gelaunten Wildkatzen jedoch etwas zu nervenaufreibend sein. Die Croods ist eher ein Familien- als ein Kinderfilm, dessen Humor und Geschwindigkeit auch auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet sind.

Die Regisseure Kirk De Micco und Chris Sanders erschaffen in Zusammenarbeit mit dem DreamWorks Animationsteam eine Flora und Fauna, die gleichermaßen bekannt und innovativ ist. Der Farben- und Artenreichtum dürfte generationenübergreifende Begeisterung auslösen. Die Croods kombiniert bekannte Elemente in ungewohnter Weise zu originellen Mischwesen, wie Elefantenmäusen, fliegenden Schildkröten und Vierfüßlerwalen. Auch die Natur ist immens farbenfroh und geht auf fast mystische Weise nahtlos in die Tierwelt über. Hierdurch erhält Die Croods auch eine märchenhafte Nuance. Die 3D-Technik in Kombination mit den immens detailreichen Bildern ermöglicht ein tiefes Eintauchen in diese fantastische Welt.

Doch nicht nur optisch, auch auf der inhaltlichen Ebene kann The Croodsüberzeugen. Eeps Lebenseinstellung "Alles was Spaß macht, ist verboten", spricht sicher den meisten Kindern und Jugendlichen aus dem Herzen. Auch der Konflikt zwischen Guy und Grug spiegelt nicht nur die klassischen Vorbehalte eines besorgten Vaters dem ersten Freund seiner Tochter gegenüber wider, sondern auch einen realistischen Generationenkonflikt. Grug gehört zu einer Generation, in diesem Fall gar einer Entwicklungsstufe, die sich ausschließlich der Körperkraft bedient. Guy hingegen hat "Ideen", er benutzt seinen Verstand, um Probleme zu lösen. Grug ist dieser Strategie gegenüber nicht nur misstrauisch, er hat auch große Angst, dass Guy ihm als Anführer und Vorbildfigur den Rang abläuft.

Das Schöne an der Geschichte der Croods ist hierbei, dass sie jedem eine Entwicklung ermöglicht. "Jeder kann sich verändern" ist die pädagogisch wertvolle Moral der Geschichte. Die Voraussetzung dafür ist jedoch nicht nur Lernbereitschaft und Neugier, sondern auch eine große Portion Mut. Insgesamt motiviert die Geschichte ihr Publikum dazu, sich nicht vor dem Leben zu verstecken, sondern eine kindliche Neugier zu bewahren und die Welt täglich neu zu entdecken. Wie schon in Merida – Königin der Highlands ist es hier ein junges Mädchen, das Traditionen in Frage stellt und darum kämpft, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Leider kann Eep jedoch nicht zu ihrer schottischen Kollegin aufschließen, da in Die Croods ganz klar die männlichen Figuren den Ton angeben.

Die Croods kann dem Animationsgenre wahrhaftig noch etwas Neues hinzufügen und unterscheidet sich deutlich von thematisch ähnlich gelagerten Filmen wie Ice Age. Zum einen sind es die Figuren, Wesen im Übergang vom Mensch zum Tier und die schon beschriebenen Fantasiewesen, die wir so im Film noch nicht gesehen haben. In der ersten halben Stunde wirken die ungewöhnlichen Proportionen und die animalischen Verhaltensweisen der Protagonisten jedoch sehr irritierend und überzogen. Dieses Gefühl wird verstärkt durch den Slapstick-Humor, der in seiner folgenlosen Brutalität an Cartoons wie Roadrunner oder Tom und Jerry erinnert. Es braucht etwa eine halbe Stunde, um sich an das irrwitzige Tempo und die Komik zu gewöhnen. Dann aber bietet Die Croods großartige Kinounterhaltung, die sich glücklicherweise auch immer weniger der Missgeschicke ihrer Figuren bedient.

Es sind vor allem der Farben- und Fantasiereichtum, die diesen Film auszeichnen. Das Tempo der Ereignisse und der sich aus lebensgefährlichen Unfällen speisende Humor machen Die Croods zum Actionfilm unter den Animationsfilmen. Bei aller Begeisterung bleiben daher ein paar leichte pädagogische Zweifel, die aber durch den großen Unterhaltungswert aufgewogen werden können.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-croods