Rambo

Die Geburt eines Helden

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Nicht nur, dass er aus fadenscheiniger Willkür des Kleinstadt-Sheriffs (Brian Dennehy) aus dem Ort verwiesen wird, wo er lediglich etwas essen will, sondern der innerlich gebrochene Vietnamveteran John J. Rambo (Sylvester Stallone), der gerade vom Tod eines einstigen Kriegskameraden erfuhr, wird schließlich auch noch als vermeintlicher Landstreicher eingebuchtet und brutal schikaniert. Aufgestört in seinen ohnehin desolaten Befindlichkeiten flüchtet der ehemalige Elite-Soldat in die gebirgige Umgebung, wo er gejagt von der Polizei und umlauert von einer Medien-Meute noch einmal all seine Kampf-Kräfte mobilisiert und mit mörderischem Kalkül Mann für Mann eliminiert ...

Betrachtet man dreißig Jahre nach seiner Premiere diesen packend inszenierten Film unter der Regie von Ted Kotcheff mit der atmosphärisch aufwühlenden Filmmusik des großartigen Jerry Goldsmith, so spiegelt Rambo auf signifikante Weise den erstarkenden Zustand der US-amerikanischen Gesellschaft in Bezug auf die Vietnam-Traumata während der ersten Phase der Regierungszeit Ronald Reagans wider, der in einer Rede sogar auf den Film referiert, den "Spirit of Rambo" als förderlich für einen Sieg beschwörend. Ob aus Vorliebe für Action- oder Vietnamfilme, aus filmhistorischem oder sozialpolitischem Interesse – Rambo ist aus vielerlei Gründen nach wie vor ein sehenswerter Film mit zahlreichen inhärenten, wie aus seiner Rezeption enstandenen Interpretationsfacetten zum Verständnis eines US-amerikanischen Patriotismus, der sich seinerzeit kräftig an den Auswüchsen der populären "Rambo-Manie" mit ihrer protzigen bis prächtigen Palette an Merchandising-Produkten bedient hat.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/rambo