Topas

Hitchs Agententhriller zur Kubakrise

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Im Jahre 1962 während des so genannten Kalten Krieges, der bald in der Kubakrise gefährlich zu eskalieren drohte, werden die westlichen Agenten Michael Nordstrom (John Forsythe) und André Devereaux (Frederick Stafford) nach dem Überlaufen des stellvertretenden KGB-Chefs Boris Kuzenov (Per-Axel Arosenius) mit der Mission betraut, dessen Angaben über sowjetische Atomraketen in Kuba zu überprüfen. Bald stellt sich heraus, dass ein spezieller Agentenring mit dem Codenamen "Topas" hierbei eine immens wichtige Rolle spielt, und es ereignen sich erhebliche Verwicklungen nicht nur auf politischem, sondern auch auf privatem Terrain, denn Devereaux’ Frau Nicole (Dany Robin) unterhält heimlich eine amouröse Beziehung mit Jaques Granville (Michel Piccoli), der sich letztlich als führender Kopf von "Topas" entpuppt ...

Als komplexer, vielschichtiger und kräftig mit Klischees spielender Agententhriller bietet Topas aufregende Unterhaltung mit ironischen Untertönen, die sich angenehm von den gängigen Spionagefilmen Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre absetzt. Alfred Hitchcock selbst hat diesen finanziellen Flop als experimentellen Film mit unbefriedigendem Ergebnis bezeichnet, zuvorderst auf Grund des ungünstigen Effekts der ungewöhnlichen Farbgebung, und den Schluss ließ der Regisseur drei Mal in unterschiedlichen Versionen drehen, bevor er sich für das schließlich verwendete Finale entschied. Nichtsdestotrotz ist Topas nicht nur als vermeintlich gescheitertes Projekt eines grandiosen Regie-Meisters interessant, sondern überzeugt zudem durch die stilisierten darstellerischen Qualitäten seines starken Ensembles, seine damals brisant-aktuelle Geschichte sowie durch den hervorschimmernden wohlbekannten Zynismus eines Regisseurs, der mit fast siebzig Jahren noch einen Film von derartiger Komplexität unter widrigen Bedingungen realisiert hat.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/topas