Frauensee

Liebesweh am Sommersee

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Zoltan Paul untersucht die Interferenzen, die Störsender, das Grundrauschen zweier Liebesbeziehungen. Dass es sich um lesbische Paare handelt, ist eher nebensächlich und doch wichtig, wegen des Umgangs mit Konflikten und der Sensibilität für Emotion und Interaktion. Der einfache Film, der eigentlich keine Handlung hat, wird getragen von der Stimmung, vom Sommer, vom See, von der Natur, von der Sinnlichkeit, die die Frauen erfahren, nach der sie sich sehnen.

Das Drehbuch, laut Vorspann von Regisseur Paul und dem Ensemble gemeinsam verfasst, fußt auf einwöchigen Proben vor den Dreharbeiten, in denen die Charaktere und die einzelnen Handlungselemente anhand eines siebenseitigen Exposés ausgearbeitet wurden; entsprechend wurden viele Szenen am Set improvisiert, lebendig, frisch und spontan. Ein verbotener Lagerfeuerabend im Naturschutzgebiet, ein Spaziergang durch Kirche und Friedhof, dazwischen Gespräche, Streit, Liebe und das Nachdenken über sich und die anderen: Was die Figuren antreibt, daran tragen sie schwer; und Zoltan Paul inszeniert es mit bestechender Leichtigkeit, mit sommerlichem Humor – und mit hervorragend konzipierten Bildern, ausschließlich mit schwebender Steadycam gefilmt. Er hat Blick und Gespür für das Nebensächliche, das wichtig ist, für das Atmosphärische, das einen Film antreiben kann; und dafür, wie man(n) zwei weibliche Pärchen umeinander kreisen lassen kann, bis sie ins Tanzen kommen.

Am Ende eine heftige Aussprache, ein reinigender Ausbruch. Und eine lange, ungeschnittene Kamerafahrt, durchs Haus, über Veranda und Steg hinaus über den See – ein schöner Abschied von diesen vier Frauen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/frauensee