Charlies Welt

Wes Anderson würde sich im Grab umdrehen, wäre er schon tot

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Charlie Sheen spielt Charles Swan III, ein Werbemogul und Sunnyboy, der zwischen immer neuen Model-Freundinnen und massiven Tagträumen so vor sich hinlebt, bis ihn seine letzte Freundin Hals über Kopf verlässt und er in die Mutter aller Midlife-Krisen stürzt. Denn wie wir aus allen Klatschspalten und von Twitter wissen, wenn Charlie Sheen/Charles Swan eines kann, dann das: auf ganz hohem und unglaublich schmierigem Niveau leiden. In seiner Krise vergisst er Familie, Job und alle Verpflichtungen, was dazu führt, dass er alsbald pleite geht und zudem noch von der Polizei gesucht wird. In den Nebenrollen ist der Film mit sonst eigentlich herausragenden Darstellern wie Bill Murray, Jason Schwartzman, Aubrey Plaza und Patricia Arquette bestückt, doch keiner von ihnen hat auch nur den geringsten Raum, hier etwas von seiner/ihrer Brillanz zu zeigen. Und so stellen sich vor allem zwei Fragen: Zum einen jene, wie viel man ihnen für diesen Film geboten hat und zum anderen - nicht ganz unberechtigt -, ob sie bei den Dreharbeiten schon wussten, dass das ganz übel enden wird?

Manchmal helfen auch keine großen Namen - noch nicht einmal "Coppola". Die Geschichte ist in ihrer Anlage schon eher dünn. Hinzu kommt, dass die Story vor Klischees und Misogynie nur so trieft, was umso mehr auffällt, weil sonst kaum etwas passiert. Roman Coppola versucht sich hier an einer absurden Komödie á la Wes Andersons (Moonrise Kingdom) und scheitert in allen Belangen. Denn solch surreale Gebilde sind nur witzig, wenn der Humor etwas grundlegend Menschliches und Liebevolles hat. Es braucht Figuren wie Captain Sharp (Bruce Willis) und Mr. Bishop (Bill Murray) in Moonrise Kingdom oder gar den unvergesslichen Steve Zissou (Bill Murray) in Die Tiefseetaucher.

Auch wenn die Verpflichtung Murrays hier eine zusätzliche Erinnerung an Andersons Filme mit sich bringt (was durchaus im Sinne des Regisseurs sein dürfte), haben wir es eben mit Charlie Sheen zu tun, der einen Charakter spielt, welcher im Grundsatz hochgradig misantrophisch und zynisch daherkommt. Außerdem sind sämtliche Figuren so zweidimensional und fast schon langweilig gezeichnet, dass es überhaupt keinen Platz für Empathie gibt. Damit ist es fast unmöglich, dem Werk etwas Menschliches abzugewinnen und sich in die Geschichte und in die Charaktere hineinzufinden. Und so bleibt der Zuschauer mit seinen Empfindungen an der Oberfläche und sieht vor allem eines: Charlie Sheen, der irgendwie sich selbst spielt, zusammen mit ein paar anderen Schauspielern in einem eigenartigen und peinlichen Film, der keinen Sinn ergibt und das Gefühl vermittelt, hier hätte ein 10-jähriger ein Drehbuch auf eine Serviette gekritzelt und dann mit wahnsinnig viel Ausstattung verfilmt.

Wäre der Hauptcharakter wenigstens etwas erträglich und würde sich nicht die gesamte Filmlänge über in unerträglichem Selbstmitleid suhlen und sich wie ein kleiner Junge benehmen, dem man den Lutscher geklaut hat, könnte man dem Film noch etwas im Sinne von Trash (frei nach dem Motto "so schlecht, dass er wieder gut ist") abgewinnen. Doch bei aller Liebe: Charlies Welt gucken ist ungefähr so unterhaltsam wie der jährliche Zwangsbesuch bei der buckeligen Verwandtschaft. Sich ein Auge auszustechen macht da vermutlich mehr Spaß.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/charlies-welt