Der letzte Exorzismus Teil II

Auf Teufel komm raus

Eine Filmkritik von Lida Bach

Produzent Eli Roth ließ von einer Fortsetzung ebenso die Finger wie Regisseur Daniel Stammen. An seinem Platz sitzt nun Ed Gass-Donnelly, der das Schlusskapitel des ersten Teils dort aufschlägt, wo Chaos und Flammen alles verschlangen. Das Feuer mit seiner von Katharsis über Fanatismus bis hin zu biblischer Apokalypse reichenden Symbolik gab ein immanentes Bild, dessen endgültige Deutung dem Zuschauer überlassen blieb. Diese Aufgabe übernimmt nun der – in Bezug auf die Altersfreigabe wortwörtlich – grundschulreife Dämonenzirkus. Er hemmt derart nicht nur vorab die eigene Wirkung, sondern nachträglich die der Original-Story. Ihr Protagonist Cotton Mathers verbrannte sich an dem Glaubensfeuer, das er schürte, ein bisschen mehr als nur die Finger. Nicht besser erging es der Filmcrew, die den Show-Exorzisten bei der Arbeit begleitete und das Drehmaterial lieferte. Das findet nun seinen Weg auf YouTube und darüber zu Nell (Ashley Bell), der jungen Tochter des fanatischen Christen Mr. Sweetzer (Louis Herthum). Die angeblich besessene 17-jährige überlebte als einzige das Inferno, was gelinde gesagt verwundert. Als man Nell zuletzt sah, setzte sie augenscheinlich während einer blasphemischen Messe eine Ausgeburt der Hölle in die Welt – ganz sicher jedenfalls etwas verdammt Fieses.

Damals dachte man, es sei womöglich der Antichrist. Heute weiß man: es war einfach nur Teil II eines Films, dessen Titel an sich schon eine Fortsetzung verbittet. Trotzdem knüpfen Gass-Donnelly und sein Co-Drehbuchautor Damien Chazelle an Christian Stammens grobkörnige Amateurbilder auf denkbar unpassende Weise mit polierten Hochglanz-Szenen an. Scheinrealismus löst klare Fiktion ab, moralische Ambivalenz weicht plumper Amateurpsychologie. Die trotz der äußeren und inhaltlichen Reformation anklingenden Reizthemen sexuelle Unterdrückung und religiöse Traumata generieren so höchstens unfreiwillige Komik. Glass-Donnelly, der in Small Town Murder Songs sein atmosphärisches Feingespür bewies, quält sich sichtlich mit einer Story voll billiger Schocks und abgedroschener Omen-Klischees. Einige hübsch schauerliche Bilder heben sich dennoch ab von den Standards "plötzlich anschlagender Hund", "Vögel im Sturzflug" und "Nebenprotagonist muss Blut lassen", letzteres durch Kehle durchschneiden, was Nells keusche Beziehung zu dem anhänglichen Chris (Spencer Treat Clark) jäh beendet.

Für die knapp einer Satansmesse entronnene Hauptfigur, die nebenbei die ledige Teenager-Mutter eines Dämons ist, sind kleine Blutbäder nicht beeindruckender als Rockmusik oder zeitgenössische Unterhaltungstechnik. Beides zeigt Nell ihren neuen Mitbewohnerinnen in einem Rekonvaleszenz-Heim für auffällige Jugendliche. Dort soll sie unter Aufsicht des wohlwollenden Erziehers Frank (Muse Watson) das Erlebte verarbeiten. Keine leichte Aufgabe in den düstersten Quartieren von New Orleans, wo Voodoo-Riten so populär sind wie christlicher Fundamentalismus in Nells Südstaaten-Heimat und das Böse allerorts in seiner Lieblingsverkleidung präsent ist: Visionen, maskierte Gestalten und YouTube. Und mal ehrlich: der Gedanke, dass einen dort ein Clip mit einer megapeinlichen Szene aus der eigenen Vergangenheit konfrontiert, ist echt der Horror! Der ist leider rar in der ambitionslosen Mainstream-Fortsetzung, die dem durchaus interessanten Genrestoff den letzten Rest Spannung und Ambiguität austreibt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-letzte-exorzismus-teil-ii