Fack Ju Göthe

Verdahmt lustich

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Zeki Müller (Elyas M’Barek) ist frisch aus dem Gefängnis entlassen worden. Jetzt möchte er die vergrabene Beute ausbuddeln, doch o Graus, auf dem Schulgelände steht mittlerweile eine Turnhalle auf dem Flecken, wo die Kohle vergraben ist. So bewirbt er sich als Aushilfslehrer, der äußerst unorthodox vorgeht, es mit einer echten Problemklasse zu tun bekommt und in der schüchternen Lehrerin Lisi (Karoline Herfurth) eine Verehrerin findet, die ihn anspornt, es mit dem Lehrertum richtig anzugehen. Chaos ist vorprogrammiert und der Funkenflug der Liebe ist natürlich auch dabei.

Wirklich originell ist die Geschichte von Fack Ju Göhte natürlich nicht. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus, die M’Bareks Figur durchmacht, ist ein genretypischer Standard. Unter der rauen Schale steckt selbstverständlich ein weicher Kern. Und trotzdem: Der fast zweistündige Film ist stimmig, vor allem aber immens lustig. Dağtekin gelingt es, nicht nur aus der Situation heraus Komik zu erzeugen. Er setzt auch auf die flotten und schnoddrigen Dialoge, die schon bei Türkisch für Anfänger sein Markenzeichen waren.

Im Grunde sind Zeki und Lisi auch nur andere Namen für Cem und Lena – die Figuren gleichen einander immens. Das kommt M’Barek zugute, der eine Karriere damit aufziehen könnte, den coolen Macker zu geben. Aber er muss es nicht, er kann deutlich mehr, wie er in den immer wieder eingestreuten ruhigeren und gefühlvolleren Momenten zeigt, wenn Zekis Fassade bröckelt und Lisi und der Zuschauer einen Blick in seine Seele erhaschen können.

Anders als die typische RomCom setzt Fack Ju Göhte weit stärker auf den komischen Aspekt. Der wird durch das Fisch-aus-dem-Wasser-Prinzip bedient, wobei der Konflikt zwischen Lehrer und Konfliktklasse allerhand Stoff für Gag-Kaskaden bietet. Einiges ist dabei natürlich überzogen, aber darüber bügelt der Film leichtherzig hinweg – und als Zuschauer sieht man auch darüber hinweg, während man gut unterhalten von einem Gag zum nächsten getragen wird und am Ende noch unverblümte Romantik in Reinkultur geboten wird.

Dangerous Minds mit viel Humor, auch so könnte man Fack Ju Göhte beschreiben, der das Rad nicht neu erfindet, aber belegt, dass sich eine altbekannte Geschichte spritzig und mit einem Hauch Originalität erzählen lässt. Auf Bora Dağtekins weitere Filme darf man gespannt sein.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/fack-ju-goethe