Zurück im Sommer

Zurück im Sommer

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Familien und andere Katastrophen

Manche Väter können wirklich Arschlöcher sein. Und dieser Vater (Willem Dafoe) hier ist wirklich ein Prachtexemplar der Sorte Riesenarschloch. Das merkt man gleich in der ersten Szene dieses Films, als Sohn Michael angeraunzt wird, weil er seine teure Brille irgendwo hat liegen lassen und weil er die Dreistigkeit besitzt, seine Hand auf die Scheibe des teuren Mercedes zu pressen. Im folgenden Streit ergibt ein Wort das andere, bis Michaels Vater trotz des Insistierens seiner Frau (Julia Roberts in ihrer ersten "Altersrolle" – Kinder, wie die Zeit vergeht) seinen Sohnemann kurzerhand aus dem Wagen verfrachtet und ihn zu Fuß nach Hause laufen lässt – bei strömendem Regen. Man ahnt bereits was kommt – wer seinen Kindern so etwas antut, der hinterlässt Spuren, die ein ganzes Leben lang halten. Oder zumindest einen ganzen Film lang.
Viele Jahre später verunglückt Michaels Mutter Lisa bei einem Unfall, so dass die Familie, in der man sich sonst lieber aus dem Weg geht, miteinander und mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Michael (Ryan Reynolds) ist mittlerweile selbst Schriftsteller geworden und hat die Erlebnisse seiner Kindheit in einem Manuskript namens Fireflies in the Garden verarbeitet, das kurz vor der Veröffentlichung steht. Während der Vorbereitungen zur Beerdigung treffen er, sein verhasster Vater, seine Schwester sowie seine nur wenige Jahre ältere Tante Jane (Emily Watson) nebst Mann und zwei Kindern im elterlichen Haus aufeinander und offenbaren sich, streiten sich, versöhnen sich wieder, bis am Ende die Familie durch den Schock vielleicht noch einmal einen Neuanfang wagen kann.

Trotz allen Konfliktpotenzials, das Dennis Lee in seinem Debütfilm als Regisseur (bislang war er ausschließlich als Drehbuchautor tätig) eingebaut hat, hegt man von Anfang an kaum Zweifel daran, dass diese Geschichte ein gutes Ende für alle Beteiligten nehmen wird – wenn man von Lisa Taylor einmal absieht. Zu harmlos sind die Konflikte, zu wenig bösartig selbst die aufbrausende Vatergestalt, um wirkliches Unheil zu befürchten. Und der große Showdown zwischen Vater und Sohn, die Veröffentlichung des Buches und die Frage, was wirklich zwischen dem kleinen Michael und seiner Tante Jane gelaufen ist, dies alles wird ebenso totgeschwiegen und unter den Teppich der neu gewonnenen familiären Harmonie gekehrt wie die Affäre von Lisa mit einem der Kollegen ihres Mannes und andere dramaturgische Schnitzer. Mit teilweise großen Bildern und vor allem großen Namen auf der Besetzungsliste gelingt Dennis Lee nur ein verzagtes und schlappes Familiendrama, das diesen Namen eigentlich kaum verdient hat.

Zurück im Sommer

Manche Väter können wirklich Arschlöcher sein. Und dieser Vater (Willem Dafoe) hier ist wirklich ein Prachtexemplar der Sorte Riesenarschloch.
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Meinungen
· 14.11.2008

weiss jemand, wann dieser film auch in der schweiz läuft?

Jörg · 18.10.2008

Gut das Julia Roberts so schnell den Filmtot erleidet, denn so kommen die anderen Schauspieler alle gut weg und der Film gewinnt als Familiengeschichte und nicht als einen weiteren netten Julia Roberts Film.

Joachim · 14.08.2008

Ein ganz ausgezeichneter Film der die psychischen Belastungen aller Beteiligten (durch die hervorragende Leistung der Schauspieler) ganz excellent hervorhebt und den Zuschauer mit den Gefühlen verbindet. Ein körperloser Schmerz.

Kommentare

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