Zur falschen Zeit am falschen Ort

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Chronik und Folgen eines beiläufigen Mordes

Potzlow in Brandenburg ist ein kleiner Ort, gerade mal 450 Einwohner leben hier. Die Probleme sind typisch für ländliche Gebiete in Ostdeutschland, hohe Arbeitslosigkeit, keine Perspektiven, wer kann, der zieht möglichst schnell und weit weg. Wenn ein Ort wie Potzlow einmal im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, dann kaum wegen positiver Neuigkeiten, von finanzkräftigen Investoren oder gefeierten Werkseröffnungen kann man nur träumen.
Einmal war der Ort dann doch in alle Medien präsent, als im Juli 2002 der 17-jährige Marinus von drei Jugendlichen brutal gefoltert, zu Tode misshandelt und in eine Jauchegrube verscharrt wurde.

Nun ist wieder vermeintliche Ruhe eingekehrt, das Leben in Potzlow geht seinen gewohnten Gang, der Ort in der Uckermark fällt wieder dem Vergessen und Verdrängen anheim. Zurückgeblieben sind die Menschen wie beispielsweise der 17-jährige Matthias. Er war Marinus Freund und hat dessen Leiche ausgegraben. Seitdem ist er schwer traumatisiert und leidet unter heftigen Depressionen. Monatelang verkroch er sich in seinem Zimmer, brach die Schule ab und fand doch kein Verständnis für seine Trauer. Andere üben sich lieber im Vergessen und Verdrängen, wie etwa sein Vater, der meint, die Ermordung seines Freundes diene seinem Sohn nur als Vorwand, sich „darauf auszuruhen“. Oder wie der Bürgermeister, der meint, es sei doch bereits genug über die Tat gesprochen worden, man müsse auch mal aufhören damit. Doch Tamara Milosevics Beobachtungen des Alltags in Potzlow sprechen eine andere Sprache, sie erzählen davon, dass die Gewalt und die Hilflosigkeit nach wie vor allgegenwärtig sind, dass es jederzeit wieder zu einer Katastrophe kommen kann.

Die Regisseurin Tamara Milosevic erfuhr von der schrecklichen Tat wie die meisten Deutschen durch das außerordentlich große Medieninteresse. Doch während viele danach wieder zur Tagesordnung übergingen, hat sie der Vorfall nicht mehr losgelassen. Vor allem der Trotz der Menschen vor Ort gegenüber den Richtern aus dem Westen war es, der ihre Neugier anstachelte. Die Tat ist für sie nur ein Indiz dafür, dass „dort drüben“ etwas nicht stimmt, dass die ostdeutsche Gesellschaft oder Teile von ihr sich in einer bedenklichen Schieflage befinden, dass dieses Land auch mehr als 15 Jahre nach der Wiedervereinigung weit davon entfernt ist, eine wirkliche Einheit zu bilden. Als Leidtragende dieser Entwicklung, die nicht nur Ost und West trennt, sondern die quer durch die Gesellschaft geht, sind die Menschen von Potzlow nur ein Beispiel und Marinus ist ein Opfer. Wenn man Zur falschen Zeit am falschen Ort gesehen hat, ist man geneigt zu glauben, dass er nicht das einzige bleiben wird, wenn nicht bald etwas geschieht. Denn die versprochenen „blühenden Landschaften“ sind teilweise Einöden, in denen allein Frustration, Gewalt und Leere gedeihen. Und zwar in Ost und West.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Potzlow in Brandenburg ist ein kleiner Ort, gerade mal 450 Einwohner leben hier. Die Probleme sind typisch für ländliche Gebiete in Ostdeutschland, hohe Arbeitslosigkeit, keine Perspektiven, wer kann, der zieht hier möglichst schnell und weit weg.
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Meinungen
pakery · 08.09.2006

sehr gute gedankengänge

Kommentare

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