Zift

Zift

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Melancholie aus Bulgarien

Filme aus Bulgarien, die den Sprung in die internationale Szene schaffen, sind nach wie vor eine Rarität, auch wenn im Rahmen spezieller Festivals mit dem Fokus auf den Balkan schon einmal Beiträge aus der bulgarischen Filmlandschaft gezeigt werden. Der aus Sofia stammende Filmemacher Javor Gardev legt mit Zift ein Spielfilmdebüt vor, das seit seiner Premiere beim Internationalen Filmfestival Moskau, wo es zweifach ausgezeichnet wurde, weltweit erfolgreich bei einigen Festivals aufgeführt wurde. Nun erscheint diese melancholisch-sarkastische Geschichte nach dem Roman von Vladislav Todorov, der auch das Drehbuch verfasste, in Deutschland auf DVD, und jenseits jeglichen Exotenstatus ist Zift ein wunderbarer Schwarzweißfilm, der derbe Komik innerhalb einer geschickten Dramaturgie mit Spannung und philosophischer wie sozialkritischer Tiefgründigkeit zu kombinieren versteht.
Gleich zu Beginn des Films breitet sich die düstere, intensive Atmosphäre aus, die Zift und auch den Zuschauer bis zum bitteren Ende nicht verlassen wird und nicht nur auf Grund ihres sinnierenden Voice-overs stark an die Tradition des Film Noir erinnert. Seine Jugend hat Motte (Zahary Baharov) unschuldig im Knast verschwendet, doch nun ist der Tag gekommen, an dem der mittlerweile gereifte, durchtrainierte und dank der Gefängnisbibliothek gebildete Mann wegen guter Führung auf freien Fuß kommen soll. Motte ist augenscheinlich ein harter Bursche geworden, König der Liegestützen und von stilisierter, glatzköpfiger Erscheinung mit skurrilen Tattos, der gelegentlich Asphalt („Zift“) als Geschmack der Straße kaut. Seine Eltern sind bereits früh verstorben, und in der Freiheit, so gibt er vor, will er sich ein Schiff in die Tropen nehmen. Insgeheim jedoch hat Motte all die Jahre lang der Gedanke an seine einstige Freundin Ada (Tanya IIieva) gefesselt, die er nun wiedersehen will, und dann ist da auch noch die Sache mit dem Diamanten. Aber gleich hinter den Gefängnismauern wartet die Vergangenheit in Gestalt seines ehemaligen Komplizen Schnecke (Vladimir Penev), der ebenfalls den Diamanten aus einem gemeinsamen Raub nicht vergessen hat und nunmehr zu einem einflussreichen Funktionär aufgestiegen ist …

Sowohl in ansprechenden Details wie mit der Schilderung des Paarungsverhaltens der Gottesanbeterin und auch insgesamt mit der konsequenten, stimmungsvollen Dramaturgie stellt Zift einen hervorragenden Film dar, der souverän und sarkastisch mit gängigen Klischees spielt, ohne diese allerdings zu überzeichnen. Auch wenn die Einzelaspekte der Gestaltung und Handlung filmisch hinreichend bekannt erscheinen, ist es doch die ganz spezielle Komposition von Regisseur Javor Gardev mit der ihr eigenen derben Melancholie, die diesen Film absolut sehenswert macht. Wenn es darin so etwas wie eine Moral gibt, könnte sie lauten: Je größer die Scheiße, desto …

Zift

Filme aus Bulgarien, die den Sprung in die internationale Szene schaffen, sind nach wie vor eine Rarität, auch wenn im Rahmen spezieller Festivals mit dem Fokus auf den Balkan schon einmal Beiträge aus der bulgarischen Filmlandschaft gezeigt werden.
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