#Zeitgeist

#Zeitgeist

Eine Filmkritik von Laurenz Werter

Ändern sich die Liebe und das Leben im digitalen Zeitalter?

Das Leben findet mehr denn je auf einem Rechner statt. Ob man nun online spielt, mit Freunden simst oder sich nach Dates umsieht, alles, was das Herz begehrt, findet sich auch im Internet. Es ist ein neues Zeitalter, das bisweilen ein wenig erschreckend wirken mag, das aber im Grunde auch nur weiterdenkt, was von jeher da war. Denn wenn alles gesagt und getan ist, dann geht es eben doch nur um eines: um Gefühle.

Jason Reitmans neuer Film basiert auf dem Roman von Chad Kultgen. Was sich zwischen zwei Buchdeckeln leichter verwirklichen lässt, ist als Film für die Macher, aber auch die Zuschauer eine Herausforderung. Denn es sind viele Figuren, deren Leben man hier folgen muss. Der Junge, dessen Mutter ihn verlassen hat und der sich in ein Mädchen verliebt, das online von seiner Mutter totalüberwacht wird. Die Ehepartner, die sich nicht mehr begehrt fühlen und sich dieses Gefühl woanders besorgen. Das Mädchen, das Schauspielerin werden möchte, aber Bilder von sich online stellt, die diesen Traum vernichten könnten. Ein anderes Mädchen, das verliebt ist, aber – natürlich – in den falschen Jungen.

Es sind normale Leben. Leben, wie sie von jeher waren, aber #Zeitgeist betrachtet sie in Hinblick darauf, wie das Digitale das Analoge verändert hat. Wenn man es überhaupt eine Veränderung nennen kann. Vielleicht ist es eher eine Erweiterung, eine Art evolutionäre Weiterentwicklung, die – in ihrer letzten und logischen Konsequenz – vielleicht tatsächlich die Art verändert, wie Menschen leben. Aber noch ist dieser Schlusspunkt nicht erreicht, noch leben die Menschen, wie sie es immer getan haben. Sie lieben, sie leiden, sie hoffen, sie verzweifeln, sie resignieren, sie frohlocken – all das und mehr. Reitman widersteht jedoch der Versuchung, dies mit überemotionalen Szenen zu zeigen. Tatsächlich hält er sich stark zurück. Er lässt den Figuren, aber auch ihren persönlichen Geschichten den notwendigen Raum, sich zu entfalten.

Das sind Vignetten, die man hier sieht, Ausschnitte aus dem Leben einiger Menschen, nicht immer mit einem Anfang, manchmal auch ohne ein Ende, so wie es im richtigen Leben eben auch der Fall ist. Das lässt den Film etwas zerfasern, aber auch nur, weil es keine eine große Geschichte ist, die er erzählen will, sondern weil er den Erlebnishorizont so vieler unterschiedlicher Menschen auslotet. Das ist spannend, das ist manchmal auch sehr simpel und hin und wieder vielleicht sogar ein wenig klischiert, aber das kann das Leben auch sein.

#Zeitgeist ist ein reichhaltiger Film, der viel zu erzählen hat, dabei manches aber auch nur anreißt. Die Veränderung des sexuellen Erwachens, wenn man so will, wenn Porno in seiner härtesten Form schon ab frühester Jugend zugänglich ist. Der Film propagiert nicht, dass dies jeden Menschen beeinflusst und verändert, aber er zeigt, wie dieser Konsum sich auswirken kann, wenn die Bilder und Videos auf einem Bildschirm erregender sind als ein lebender, nackter Mensch, der neben einem liegt.

Reitmans Film bleibt zurückhaltend, er holt nie den Holzhammer heraus. Im Gegenteil, manches bleibt nur angedeutet, gerade genug, um den Zuschauer selbst nachdenken zu lassen. Nicht immer muss alles ausgesprochen werden, manchmal ist ein stiller Gedanke lauter als jeder Schrei.
 

#Zeitgeist

Das Leben findet mehr denn je auf einem Rechner statt. Ob man nun online spielt, mit Freunden simst oder sich nach Dates umsieht, alles, was das Herz begehrt, findet sich auch im Internet. Es ist ein neues Zeitalter, das bisweilen ein wenig erschreckend wirken mag, das aber im Grunde auch nur weiterdenkt, was von jeher da war.

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Meinungen
Pascal · 06.01.2015

Ich schau mir den film heute mit meiner cousine an ich hoffe es wird mehr gesprochen als im trailer

PatrickCH · 21.12.2014

Hammer Film sehr spannend das im Film heute gezeigt wird das sind eigendlich alltägliche Situationen!

6 von 6 sterne

Kommentare

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