Zaytoun

Zaytoun

Eine Filmkritik von Andreas Günther

Zwei auf gleichem Weg?

Die Geschichte steckt voller ungenutzter Möglichkeiten für ein besseres Zusammenleben. So äußerte sich einmal sinngemäß der deutsch-jüdische Philosoph Walter Benjamin, und so wohlwollend ließe sich Eran Riklis´ Versuch verstehen, Hass und Gewalt des Nahost-Konflikts in einer nostalgischen, allegorisch übersättigten Abenteuergeschichte ein Stück weit aufzulösen.
Der etwa zwölfjährige Fahed (Abdallah El Akal) lebt mit Vater und Großvater in einem Flüchtlingslager im libanesischen Beirut, einer von Luftangriffen zerstörten, zwischen verfeindeten Parteien geteilten Stadt. Seine Mutter kam schon vor Jahren in den Kriegswirren um. Nur ein kleiner, zarter Olivenbaum ist ihnen von der palästinensischen Heimaterde geblieben.

Als der Vater bei einem Bombardement getötet wird, schließt sich Fahed voller Zorn palästinensischen Widerstandskämpfern an und schießt dem abgeschossenen und schon gefangen genommenen israelischen Kampfpiloten Yoni (Stephen Dorff, Somewhere) ins Bein. Yoni kann seinen Bewachern zwar entfliehen, hat aber den milder gewordenen Fahed an den Hacken, der ihm einen Handel vorschlägt: Er wird Yoni helfen, sich nach Israel durchzuschlagen, wenn dieser mit ihm den ehemaligen Grund und Boden seiner Familie sucht, um dort den Olivenbaum einzupflanzen. Eine sehr gefährliche und nur selten heitere Reise beginnt.

Nachdem Eran Riklis mit Lemon Tree und Die syrische Braut mit viel Erfolg ganz aktuelle, fiktionalisierte Bestandsaufnahmen aus dem so genannten Heiligen Land vorgelegt hat, wundert man sich doch, dass der Regisseur und Autor sich nun wieder wie kürzlich in Playoff in die Zeit Anfang der 1980er Jahre begibt. Natürlich könnte man sagen, dass die Probleme doch noch immer dieselben sind und immer schon waren, wie in der schockierenden, von Kameramann Dan Lautsten einmal mehr aufwühlend kühl aufgenommenen Szene zu ersehen ist, in der sich Yoni und Fahed beim Fußballgedribbel am Wegesrand unversehens auf einem Feld mit explosionsbereiten alten Minen wiederfinden.

Zaytoun – der Titel bezeichnet im Arabischen die "Olive" – ist zweifellos sensibel und spannend. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass Riklis´ Rückkehr in die Vergangenheit auch eine Suche nach der spontanen Energie des Filmemachens ist, die seinen ersten Welterfolg In der Schusslinie auszeichnete, der während der Fußballweltmeisterschaft 1982 spielt. Um Feinde in Freunde zu verwandeln, kettet er Fahed und Yoni mit einer unplausiblen Story, einer forcierten Parallelisierung ihrer Lebensläufe und einem bis zum Kitsch überstrapazierten Symbol, dem Olivenbaum, aneinander.

Gut, dass es die unberechenbare Vitalität des wunderbaren jugendlichen Darstellers Abdallah El Akal in der Rolle des Fahed gibt, die sich nicht ins Schema platter Versöhnungsgesten pressen lässt. Die Ungewissheit darüber, wie sich Fahed nach seiner Begegnung mit Yoni entwickeln wird, ob er Freund bleibt oder wieder Feind wird, ist die eigentliche, in unsere Gegenwart nachvibrierende Stärke des Films.

Zaytoun

Die Geschichte steckt voller ungenutzter Möglichkeiten für ein besseres Zusammenleben. So äußerte sich einmal sinngemäß der deutsch-jüdische Philosoph Walter Benjamin, und so wohlwollend ließe sich Eran Riklis´ Versuch verstehen, Hass und Gewalt des Nahost-Konflikts in einer nostalgischen, allegorisch übersättigten Abenteuergeschichte ein Stück weit aufzulösen.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.