You Kill Me

You Kill Me

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Killer mit Herz (und Säuferleber)

Dass Killer auch Menschen sind, und manchmal sogar richtig nette, das weiß der Kinozuschauer nicht erst seit Leon, der Profi. In Mr. & Mrs. Smith werden zwei Profikiller aufeinander losgelassen, die nebenbei miteinander verheiratet sind, in Brügge sehen … und sterben? entdecken zwei Meuchelmörder im beschaulichen Brügge die Liebe zur Kultur und zu einer hübschen Belgierin. Und es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Filme, in denen Filmemacher den Mörder nicht als seelenloses Monstrum, sondern als Menschen wie du und ich zeigen. Kurzum: Im wahrscheinlich am schlechtesten beleumundeten Beruf der Welt menschelt es ganz schön – zumindest im Kino. Insofern steht der neue Film You Kill Me von John Dahl, seines Zeichens Regisseur mit nachgewiesenem Hang zu Mord und Totschlag (Kill Me Again , Red Rock West, The Last Seduction), in einer Traditionslinie höchst vergnüglicher und eher leichter Kinokost und bietet erwartungsgemäß feine Unterhaltung ohne allzu viel Tiefgang, aber mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und einem guten Cast.
Frank Falenczyk (Ben Kingsley) ist ein Auftragskiller, der bereits reichlich in die Jahre gekommen ist. Bislang arbeitete er zuverlässig für seine „Familie“, die den für den Norden der USA wichtigen Handel mit Schneepflügen kontrolliert. Doch Frank hat ein Problem, und zwar ein ernsthaftes: Er trinkt nicht nur gerne und viel, sondern ist ein richtiger Alkoholiker und als solcher eigentlich untragbar für die polnische Mafia, zumal er im Suff auch mal einen Auftrag verpennt. Und durch das Versäumnis wird die konkurrierende irische Mafia zu einem immer bedrohlicheren Konkurrenten. Es ist also höchste Zeit, dass Frank sein Leben wieder auf die Reihe bekommt. Um den Killer trockenzulegen, schickt ihn sein Boss Onkel Roman (Philip Baker-Hall) zur Entspannung und Erholung nach San Francisco zu den Anonymen Alkoholikern. Und damit es Frank nicht allzu langweilig wird, besorgt ihm sein Aufpasser, der Immobilienhai Dave (Bill Pullman) gleich noch einen Job als Leichenwäscher – denn wenn sich einer mit dem Tod auskennt, dann der Killer aus Buffalo.

Als er im Bestattungsinstitut die smarte und toughe Laurel (Téa Leoni) kennen lernt, die gerade ihren Stiefvater zur Bearbeitung abgegeben hat, verlieben sich die beiden ineinander und können nicht mehr voneinander lassen. Selbst als Frank seiner Angebeteten seinen Beruf und sein kleines Alkoholproblem gesteht, tut das der Liebe keinen Abbruch – im Gegenteil: Laurel ist mehr als interessiert daran, die Tricks und Kniffe von Franks Handwerk zu erlernen und hilft ihm im Gegenzug dabei, endlich mit dem Saufen aufzuhören. Und bei den Anonymen Alkoholikern gibt es Fortschritte, der Killer mit Herz freundet sich mit dem schwulen Tom (Luke Wilson) an , so dass er eigentlich in San Francisco ein neues Leben starten könnte. Doch leider schwelt der Konflikt zwischen rivalisierenden Mafia-Clans in seiner Heimat weiter, so dass Franks Eingreifen dringend erforderlich ist – eine echte Bewährungsprobe für die Liebe zu Laurel…

Mal Romanze, dann wieder Groteske und schließlich deutlich in der Tradition des Film Noir stehend – das sind die Pole, zwischen denen You Kill Me auf gelungene Weise hin und her pendelt. Neben Sir Ben Kingsley, der selbst als alkoholisierter Killer immer noch ganz Gentleman bleibt, was die Rolle angenehm bricht, ist vor allem Téa Leoni eine sehenswerte Neuentdeckung, während kaum ein Mafia-Streifen wohl ohne Dennis Farina auskommen dürfte, der hier als irischer Mafioso O’Leary zu bestaunen ist. Insgesamt eine spritzige Kombination, die im Kino einfach Spaß macht – gerade richtig für einen unterhaltsamen Abend im Kino ohne allzu viel Anspruch auf Tiefschürfendes.

You Kill Me

Dass Killer auch Menschen sind, und manchmal sogar richtig nette, das weiß der Kinozuschauer nicht erst seit Leon, der Profi.
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Meinungen
physiogatto · 27.04.2008

Ich habe diesen Film in einer Sneak Preview gesehen und er hat mir richtig gut gefallen. Der Humor ist typisch englisch und schwarz. Obwohl die Hauptperson immer einen einen etwas genervten Eindruck macht, gewinnt er immer mehr die Sympathie des Zuschauers; und dabei rutscht der abnorme Beruf, den er ausübt, nämlich den eines Killers immer mehr in den Hintergrund und wird als ziemlich normal wahrgenommen.
Der Film ist amüsant, aber er regt auch zum Nachdenken an.

Kommentare

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