You & I

You & I

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Zu dritt in der Uckermark

Du und ich – das ist der Ausgangs- und Endpunkt der meisten Love Storys. Im Mainstream-Kino sind damit fast immer Mann und Frau gemeint; im Indie-Bereich nicht selten auch Paare abseits der Heteronormativität. So lässt sich der Titel You & I von Nils Bökamps Spielfilmdebüt zunächst im Sinne der Zweisamkeit lesen – beginnt die Geschichte doch als Zwei-Personen-Stück mit latenter erotischer Spannung. Dann kommt ein Dritter hinzu und die Möglichkeit scheint auf, dass das "you" im Titel nicht (nur) für "du", sondern (auch) für "ihr" – und somit für eine polyamoröse Idee – stehen könnte. Ist eine harmonische Dreisamkeit realisierbar? Oder bestätigt sich letztlich der Spruch "Drei sind einer zu viel"?
Als erste Figur lernt das Publikum Jonas (Eric Klotzsch) kennen. Der junge Fotograf wohnt in Berlin und ist offensichtlich kein Beziehungstyp. Er ignoriert die Anrufe seiner Ex-Freundin – wobei für sie der "Ex"-Status und für ihn die Bezeichnung "Freundin" wohl als fraglich gelten. "Wenn man von einer Beziehung sprechen kann, dann ist sie jetzt vorbei", meint Jonas später zu Philip (George Taylor), als er diesen vom Flughafen abholt. Philip stammt aus Westlondon; die beiden haben sich während eines Englandaufenthalts von Jonas angefreundet. Dass Philip schwul ist, scheint im innigen Umgang miteinander keine Rolle zu spielen. Er ist ebenfalls ungebunden; ein paar One Night Stands habe er in letzter Zeit erlebt, doch nichts sei von Belang gewesen. Und auch beruflich will sich Philip nicht festlegen lassen: "I don't know what to do. But I definitely don't wanna do that", kommentiert der Brite einen auf Sicherheit ausgerichteten Zukunftsvorschlag seiner Eltern. Die beiden Männer begeben sich in einem Campingbus auf einen Road Trip in die Uckermark, wo Jonas Fotos für sein neues Projekt machen will.

In der ersten Hälfte lebt You & I einerseits von den Aufnahmen der nordostdeutschen Landschaft sowie der musikalischen Untermalung – und andererseits vom natürlichen Spiel der beiden Darsteller. Die Dialoge (im Deutsch/Englisch-Mix) wirken ungekünstelt; man glaubt Eric Klotzsch und George Taylor jedes Wort und jede Geste. Das Werk des Regisseurs und Drehbuchautors Nils Bökamp ist zunächst ein kinematografisches Driften – ohne Konflikt, wenn auch mit einer unterschwelligen, unausgesprochenen sexuellen Anziehung zwischen Jonas und Philip, die uns als Zuschauer_innen ahnen lässt, dass etwas passieren muss.

Der dritte Reiseteilnehmer wird in der zweiten Hälfte geradezu beiläufig in das Geschehen eingeführt – und doch wird sich durch ihn alles ändern: You & I wandelt sich in einen Film der vielsagenden Blicke, der kleinen und großen Dispute sowie der Gefühlseruptionen. Boris (Michal Grabowski) ist ein Tramper aus Polen, der sich in der Gegend auskennt; er begleitet Jonas und Philip, um den beiden einige interessante Orte für das Fotoprojekt zu zeigen. Als er erfährt, dass Philip schwul ist, scheint er sich unwohl zu fühlen – worauf Philip überaus konfrontativ reagiert. Die unverkrampfte Zweisamkeit weicht einer Dreieckskonstellation, in der Philip bald gewissermaßen die Spitze bildet. Unsicherheit und Zögern, Eifersucht und Rivalität, Begehren und Hingabe bestimmen die Dynamik in der Dreiergruppe. Während die äußere Reise im finalen Akt zum Stillstand kommt, da das Trio im Haus von Jonas' abwesendem Dozenten Rast macht, findet in der inneren Reise der Protagonisten eine Beschleunigung statt. Angenehm ist, dass sowohl das Skript als auch die Inszenierung und das Schauspiel dabei nichts von ihrer Authentizität einbüßen. Es brodelt heftig in und zwischen den dreien – aber You & I bleibt ein Film, in dem nichts übersteigert anmutet.

You & I

Du und ich – das ist der Ausgangs- und Endpunkt der meisten Love Storys. Im Mainstream-Kino sind damit fast immer Mann und Frau gemeint; im Indie-Bereich nicht selten auch Paare abseits der Heteronormativität. So lässt sich der Titel "You & I" von Nils Bökamps Spielfilmdebüt zunächst im Sinne der Zweisamkeit lesen – beginnt die Geschichte doch als Zwei-Personen-Stück mit latenter erotischer Spannung.
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