WinWin (2016)

WinWin (2016)

Eine Filmkritik von Patrick Holzapfel

Ein merkwürdiges Gefühl

Mr. Zynismus-Artsy-Dandy-Hipness-Film Conspirateur Daniel Hoesl dreht diesen staatlich geförderten Angriff auf das System als satirisch montierte Boshaftigkeit hintereinander schauender und sprechender Nahaufnahmen eines willkürlichen Kapitalismus-Seifenblasen-Rausches. Dabei sind die gläserne Cleanness und der kalkulierte Business-Talk Ausdruck eines ironischen Maskenballs, auf dem Hochstapler-Investoren dicke Deals zwischen illegalen Methoden und naiven Verhandlungspartnern durchexerzieren und dabei selbst kaum etwas zu spüren scheinen. Es geht ihnen um Expandierung und natürlich um Geld.
Der Film feiert sich selbst mit statischen Einstellungen an den Nicht-Orten des Kapitalismus: Flughäfen, Hotels, Konferenzräume und natürlich die Wiener Hofburg. Voilá. Dabei trägt der Film seinen drehbuchfreien Entstehungsprozess vor sich her, ohne dass dies jemals eine Rolle für den Film spielen würde. Hoesl tut dies wie alles in seiner Inszenierung mit einem derartigen Selbstvertrauen, dass man auf der einen Seite beeindruckt sein darf, auf der anderen Seite jedoch die Alarmglocken schrillen hören muss. Denn diese allegorischen Bewegungen, die auf eine strange Entblößung der Mechanismen zu setzen scheinen, schwimmen gleichzeitig absichtlich oder unabsichtlich beständig auf den Oberflächen der gefilmten Gesichter in Verhandlungen. Immer wenn jemand Bezug zur Realität hat, wirkt er naiv. Schließlich ist auch die Bestechung der Politik mit gelben Handtaschen in WinWin in keiner Weise von irgendeiner Moral gefährdet. Dieser fehlende Bezug zur Realität durchzieht den ganzen Film wie ein Wert und darin liegt eine der Qualitäten von Hoesl, da er dadurch offenbart, dass es nicht nur sein Film ist, dem der Bezug zur Realität fehlt, sondern auch die Realität selbst genau diesen Bezug vermisst.

Ein Star von WinWin ist neben der nahtlosen Kameraarbeit auch das Szenenbild, das die sterile Entrücktheit des Kapitalismus zwischen seiner Kühle und seiner kompletten Abwesenheit in unserem Cyberzeitalter betont. Die Macht dieser Kapitalisten, die in Perversion von Nahoko Fort-Nishigami, Jeff Ricketts, Christoph Dostal und Stephanie Cummings verkörpert werden, ist eine selbsterklärte und irgendwie passt das dann ja zu Hoesl, dessen kinematographische Zauberbox sehr leicht und dann wieder gar nicht zu durchschauen ist. In WinWin kann man weder verstehen noch einen besonderen Blick auf diese Welt bemerken. Vielmehr sonnt sich der Film in der Oberfläche seiner freshen Ideen, die eigentlich nicht im Plural existieren.

Ein Problem des Films ist auch, dass er in seinen satirischen Elementen nicht weit genug geht. Statt einer krassen Politik der Entrüstung setzt Hoesl auf das beständige Unwohlsein in einem merkwürdigen Gefühl. Dieses verfehlt zwar keineswegs den Zweck, aber die Klarheit der Inszenierung und der anvisierte Schwebezustand des Satirischen ergänzen sich kaum. Was dann bleibt, ist ein Bild von Dekadenz und Arroganz, bei dem man sich nicht immer sicher ist, ob es lediglich portraitiert wird oder auch den Film selbst durchzieht. Das könnte ein Lob sein oder eine Kritik.

WinWin (2016)

Mr. Zynismus-Artsy-Dandy-Hipness-Film Conspirateur Daniel Hoesl dreht diesen staatlich geförderten Angriff auf das System als satirisch montierte Boshaftigkeit hintereinander schauender und sprechender Nahaufnahmen eines willkürlichen Kapitalismus-Seifenblasen-Rausches. Dabei sind die gläserne Cleanness und der kalkulierte Business-Talk Ausdruck eines ironischen Maskenballs, auf dem Hochstapler-Investoren dicke Deals zwischen illegalen Methoden und naiven Verhandlungspartnern durchexerzieren und dabei selbst kaum etwas zu spüren scheinen.
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