Wintermärchen

Wintermärchen

Eine Filmkritik von Stefan Otto

Donnerstag, 27. September 2007, ARTE,20:40 Uhr

„Ich war einmal von einem Typen begeistert, das reicht mir“, erklärt Félicie (Charlotte Véry) und stößt mit dieser Einstellung ihre beiden Verehrer, den Friseur Maxence (Michel Voletti) und den Bibliothekar Loïc (Hervé Furic), beharrlich vor den Kopf. Den Typen, von dem sie begeistert war und immer noch ist, den Koch Charles (Frédéric van den Driessche), hat sie fünf Jahre lang nicht mehr gesehen und nichts mehr von ihm gehört. Doch sie bleibt dabei: „So viele Frauen würden lieber mit einem anderen Mann leben, als mit dem, mit dem sie leben. Aber er existiert nicht, es ist ein Traum. Für mich war dieser Traum Realität. Es ist eine Realität, aber sie ist abwesend.“ Charles ist eine Urlaubserinnerung und der Vater ihrer Tochter Elise. Doch auch wenn Félicie ihn nie wiedersehen sollte, gilt: „Ob Charles wieder auftaucht oder nicht, das ist nicht das Wesentliche. Er bleibt in meinem Herzen und deswegen kann ich mein Herz keinem anderen schenken.“
Nach Frühlingserzählung war Wintermärchen (1991) der zweite Film aus Eric Rohmers mittlerweile vollständigem Zyklus „Vier Jahreszeiten“. Ein leiser, unaufdringlicher und bewundernswerter Film. Bewundernswert, weil er alltägliches Leben abzubilden vermag wie sonst kaum ein Film. Die unspektakulären Arbeiten im Friseursalon, das Weihnachtsfest, die Fahrten mit der Metro und dem Bus, die Besuche im Theater und im Zoo. Wie viel davon würden andere Filme zeigen?! Wie viel würde in Ellipsen verloren gehen?! Bewundernswert auch, weil Rohmer seine Zuschauer eben nicht unterfordert mit geradlinigen Typen und einsilbigen Sprüchen, sondern weil er ihnen in diesem Märchen realistische Figuren schenkt und Diskussionen, die ruhig auch mal langweilen dürfen.

Wintermärchen

„Ich war einmal von einem Typen begeistert, das reicht mir“, erklärt Félicie (Charlotte Véry) und stößt mit dieser Einstellung ihre beiden Verehrer, den Friseur Maxence (Michel Voletti) und den Bibliothekar Loïc (Hervé Furic), beharrlich vor den Kopf.
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